TRAVEL-TOUR-RUSSIA 2018


...15.554 km...


...um auch unterwegs jederzeit auf dem neuesten Stand zu sein!

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...Touren Blog...

...bin am 12.08.2018 ins Ulmerthal heimgekehrt!

Danke Kathi!

...die in meiner zwei monatigen Abwesenheit alles umsorgt hat, was mir lieb und teuer ist!

08.08.2018 MOSEL und H&B

RHEINTAL nach PIRMASENS (Hepco&Becker) und durch die EIFEL (Kloster HEMMERODE) und das MOSELTAL in den Süden „GAME OVER!“ 

Als ich mich am Nachmittag aus der völlig pferdeinfizierten Gegend bei RHEDE in NRW auf den weg mache, liegt das nicht nur an dem geplatzten Treffen, was ich hier hatte, sondern mir wird langsam schmerzlich immer bewusster, dass das Ende meiner Reise durch Raum und Vergangenheit sehr bald ein Ende finden wird. Immer öfter frage ich mich, was mich eigentlich wieder heim zieht und recht ernüchternd komme ich dann zu der Antwort: Mein Hund, der mich wie ein Schatten begleitet und ein lieb gewonnener Teil meines Berufs- und Alltagslebens geworden ist.

So fahre ich recht missmutig und fast lustlos in Richtung BONN, wo ich halbherzig den Einstieg in das RHEINTAL machen möchte. Es wird schon langsam spät und die Campingplätze liegen wenig attraktiv direkt am Rhein, und geschuldet der Hauptsaison steht Wagen an Wagen. Nein! DAS brauche ich heute nicht auch noch uns so entschließe ich mich, auch weil die Sonne immer noch erbarmungslos herunterbrennt, ein Zimmer zu nehmen. 

Bei ERPEL (…männliche Stockente! Passt irgendwie an den Rhein…) also bei ERPEL finde ich dann eine der günstigen Pensionen, wo, weil kein besonderer Service angeboten wird, gerne osteuropäische Saisonarbeiter Quartier beziehen, was ich immer als sehr angenehm empfunden habe, denn sie sind immer sehr freundlich und verlassen unter Getöse meistens schon vor 06:00 die Unterkunft, so dass ich nicht leise mit dem Packen sein musste. Die freundliche Wirtin zeigt mir mein Zimmer, was vorher am Telefon mit einem besonders schönen Blick auf den Rhein gepriesen wurde. Mann muss wissen, dass das eigentliche Rheintal sehr eng ist. Es bietet beidseitig Platz für eine Straße, eine Eisenbahnlinie, in der Mitte hat man Platz für den Rhein gelassen und die Häuser ducken sich an Terrassen entlang der Hänge. 

Als ich das Fenster öffne, um mich zu vergewissern, dass ich keinem Etikettenschwindel aufgesessen bin, trifft mich fast der Schlag! Direkt unter mir am Rhein erheben sich diesseits und jenseits die Türme der LUDENDORFF-Brücke!...besser bekannt durch die Hollywood Verfilmung „Die Brücke von Remagen“

Diese Brücke hat eine sehr bedeutsame wie traurige Geschichte im 2. Weltkrieg! 1916 gebaut mit der Besonderheit, dass sie in einem Tunnel mündet hatte sie damals schon die vorrangige Aufgabe als Eisenbahnbrücke Kriegsmaterial möglichst bequem an die Westfront zu bringen. Die Amerikaner staunten (ernsthaft!) nicht schlecht, als sie die Brücke zum Ende des Krieges unversehrt vorfanden und erkannten, dass hier eine große Chance zum Übertritt über den Rhein schlummert. Es entbrannte ein gnadenloser Kampf um die Brücke, in dessen Verlauf die Deutschen versuchten die Brücke zu sprengen, was nicht gelang, weil zum, einen ein falscher Sprengstoff (Industriesprengstoff) verwendet wurde, zum zweiten hatte ein Zufallstreffer die Sprengkabel beschädigt. Es gab dann noch eine Sprengung, die die Brücke aber nur anhob und nicht zerstörte.

10 Tage konnten die Amerikaner noch Kriegsgerät über die Brücke bringen, dann hielt sie den Beschädigungen nicht mehr stand und fiel in den Rhein. Die Brückenpfeiler stehen heute noch als Mahnmal!

Am nächsten Morgen ist die schlechte Laune verflogen und ich erlebe einen wunderschönen Tag im Rheintal…einer wahnsinnig lieblichen Gegend! Wer Zeit und Lust an alter Architektur hat, sollte sich das unbedingt mal antun!

Aber Achtung: Nicht die Autobahn benutzen, die oberhalb der Hänge verläuft, sondern die Straße, die immer UNMITTELBAR dem Rhein folgt und einem Burgen, alte Kirchen und verschlafene Ortschaften mit wunderschönen alten Häusern in 5 Minuten Takt präsentiert und Highlights wie das DEUTSCHE ECK bei KOBLENZ (mit dem monumentalen Reiterbild von Kaiser Wilhelm dem 1.) , wo Mosel und Rhein zusammenfließen und natürlich die LORELEY mit dem Schieferfelsen (UNESCO Welterbe) und der angeblich sehr betörenden Dame im Rhein, die zwar hübsch anzuschauen war, aber sonst auf mich Gottlob nicht die (von ihr) gewünschte Wirkung hatte.

Um mich herum wird ein Feuerwerk von Sehenswürdigkeiten abgebrannt, dass ich gar nicht mehr zu fahren komme.

Bei der „Verpflegungsaufnahme“ habe ich wieder eine dieser typischen Begegnungen dieser Reise! Eine völlig abgerissene Maschine mit einem nicht minder abgerissenen Typen bleibt neben mir stehen und grinst mich mit irgendwelchen Eisenzähnen breit an! Ich muss dem Typen immer in den Mund schauen und kann mich gar nicht auf die Unterhaltung konzentrieren! Ich kürze ab: Name unbekannt, Maschine ist in Regensburg angemeldet, aber er ist Aussteiger und wohnt in Südfrankreich in einem Kaff. Er hat offenbar schon alles im Leben gemacht und ist jeder Situation gewachsen. Zum navigieren hat er einen Kompass!...das muss seiner Meinung nach genügen. Seine Mühle ist heiß gelaufen, weil er den Thermostatschalter überbrückt hat und vergaß ihn nun manuell einzuschalten. Alles offenbar kein Ding! Er kauft sich jetzt eine Dose Fisch und dann ist sein Schätzchen wieder abgekühlt. Mein Gott denke ich, einige eiern mit elektronischem Fahrwerken durch die Gegend und können nicht mehr ohne und er schaltet den Lüfter mit Hand ein! Obergeil!...regt echt zum ernsthaft Nachdenken an! Er lädt mich immer noch grinsend zu sich ein und als ich frage, „wohin denn?“, ruft er mir noch zu: „…im LANGUEDOC wäre jeden Sonntag HIPPI-MARKT! Da würde ich ihn finden!“…nochmal Obergeil! DAS WERDE ICH ÜBERPRÜFEN!

Meine letzte Etappe wird dann gekrönt von einem Besuch bei HEPCO & BECKER, Carina Löffler aus der Marketing Abteilung hatte mich am SPOT verfolgt und nun kurzerhand eingeladen, weil ich sozusagen durch den PFÄLZER WALD kommend an PIRMASENS vorbeischramme. Super Interessant bekam ich dann eine sehr exklusive Führung vom Chef Herrn Paul Erhard persönlich, der sehr geduldig alle meine Fragen beantwortete. 

Wirklich beeindruckend, weil die Kunden bis in Asien und Amerika reichen und auch in Deutshcland viele namhafte Zulieferer mit H&B Produkten beliefert werden, von denen ich es nie gedacht hätte.

Vielen Dank nochmal dem gesamtem Team von HEPCO & BECKER für die Einladung und das „Drumherum“!

Während ich das schreibe, sitze ich jetzt hier bei Freunden in ALTÖTTING und Wehmut kommt wieder in mir auf! Morgen werde ich mich sehr früh auf den Weg machen und wenn ich dann nach 3 Stunden im KÜRNACHTAL bei BUCHENBERG (Kempten) den Blinker links setze, kommen noch die 5km Schotterstraße durch den Wald bis zu meinem Haus. Mein Hund „Ingo“ wird erst ungläubig schauen, dann mich stürmisch vom Motorrad reißen und meine Haus- und Hundesitterin wird eine lange Umarmung von mir bekommen, in die ich versuche, meine ganze Dankbarkeit zu legen, dass sie zwei Monate meinen Platz eingenommen hat.

Danke Kathi!...ohne dich hätte ich nicht fahren können und IHR keine Bilder von unterwegs bekommen!

So schließt sich nach über 15.000km und 13 durchfahrenen Ländern der Kreis dort, wo alles begann von wo ich mich morgen ein letztes Mal melden werde…

Jörg


06.08. und 07.08.2018 RHEINTAL

03.08.2018 Panzermuseum MUNSTER

03.08. - 05.08.2018 SACHSEN-ANHALT Salzwedel und Ladekath

Durch die LÜNEBURGER HEIDE nach LADEKATH bei SALZWEDEL (Sachsen-Anhalt) und…KREISE SIND RUND, UM SICH ZU SCHLIESSEN…und warum Herr GAUCK irrte!

…es ist heiß! Die Zeitungen schwadronieren von einer neuen „Heisszeit“ und wer in diesem Sommer auf die Kanaren fährt, würde selber Schuld sein! Die Wetterfrösche überbieten sich in der Ankündigung des heißesten Tages (…den wir inzwischen wöchentlich präsentiert bekommen!) und prophezeien uns gleichzeitig einen nahen Temperatursturz.

Ich ertappe mich jeden Tag aufˋs neue dabei, die fruchtlose Überlegung anzustellen, ob mir der Dauerregen im Baltikum oder diese mörderische Hitze lieber ist. Typisch Mensch!...man kann es ihm NIE recht machen!

Egal…mit etwas Wehmut beende ich die kurze Auszeit in LEEZDORF in OSTFRIESLAND, einem herrlich beschaulichen „Kaff“ (…und diesen Ausdruck möchte ich liebevoll interpretiert haben!), wo ich geboren und aufgewachsen bin und in dem man mich nach 30 Jahren immer noch auf der Straße anhält, mich freundlich mit meinem Vornamen anredet und so tut, mich fragt, wie es mir so geht und so tut, als wäre ich nie woanders gewesen. Dieser Umstand macht den Begriff „Heimat“ aus und ich wäre sehr dankbar, wenn mir, dem Preußen…dem nach 20 Jahren immer noch Zugereisten nur einen Funken dieses Zugehörigkeitsgefühls in Bayern entgegengebracht werden würde! (…ein Satz, der Bände sprechen sollte, wer ihn versteht!...)

Also…Umarmung von Muttern, gute Wünsche für die Fahrt in Empfang genommen, Helm auf und den Starterknopf gedrückt. 

Mein Ziel ist SACHSEN-ANHALT und zwar der Friedhof des noch viel kaffrigen (liebevoll!) Dorfes LADEKATH, was sich erst während meiner Tour vor vielen Wochen herauskristallisiert hat. Treue Leser können sich vielleicht erinnern, dass ich während einer Zwangspause am 02.07. in KAUNAS (Lettland) die Nachricht bekam, dass mein Großvater auf einem Soldatenfriedhof in VILLNIUS liegt und dieses Grab lange nicht bekannt war bzw. als verschollen galt. Trotz Regen machte ich mich damals kurzerhand auf den Weg dorthin, das nachzuholen, was längst überfällig war und ihn dort zu suchen…und zu finden (…ich berichtete in einem gesonderten Post damals darüber)! 

Ich kannte von meinem Großvater nur den Gedenkstein auf dem Dorffriedhof, wo meine Familie ursprünglich herstammt und so war in VILLNIUS am WIRKLICHEN Grab meines Großvaters der Entschluss geboren, dass DIESE „Reise“ nur ein würdiges Ende findet, wenn sich der Kreis für mich an seinem Gedenkstein in Sachsen-Anhalt schließt. 

…und da stand ich nun nach 40 Jahren (denn da war ich das letzte mal hier), im Schatten der alten, hier so typischen aus Feldsteinen gemauerten Kirche und war in einer Form ergriffen, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, denn das ist zu privat!...nur so viel: Ich habe mir viel Zeit gelassen, denn es gab einiges zu erzählen…

So verbrachte ich ein paar wundervoll entspannte Tage in Sachsen-Anhalt bei meiner Tante, die immer noch die alte Dorfwirtschaft unterhält, die immer noch so riecht, wie damals, wo es Abends noch einen Stammtisch gibt, an dem geraucht werden darf und wo ich das Gefühl hatte, die Zeit wäre stehen geblieben. 

…von hier aus unternahm ich meine Streifzüge in das Umland und wo ich von früher noch die graue DDR Tristesse kannte, waren Ortschaften und Städte, die so liebevoll restauriert wurden, dass es eine Freude gewesen wäre, dort länger zu verweilen…aber da war eben noch die „Heisszeit“ , die immer wieder zum schnellen Aufbruch rief.

Trotzdem...und das läuft jetzt unter „künstlerische Freiheit“ (eh ich wieder in PMˋs bedrängt werde und man mir androht, mich mit der „Schrottflinte“ (doppel „tt“!) vom Motorrad zu holen), der Begriff „Dunkeldeutschland“ (…zugegeben in einem anderen Zusammenhang gebraucht) kommt mir oft in den Sinn und mit Verlaub Herr GAUCK, sie irren…in vielerlei Hinsicht!

Ein Zwischenziel möchte ich noch erwähnen! Die LÜNEBURGER HEIDE, sicherlich bekannt, ist wunderschön zu durchfahren und ich kann sie jedem nur wärmstens ans Herz legen. Schnuckelige Dörfer wechseln sich ab mit ausgedehnten Walddurchfahrten und alles mit wenig Verkehr und abseits der Touristen Hotspots auch kaum Menschen.

Mitten in dieser Landschaft, die damals an der innerdeutschen Grenze liegt MUNSTER. Bekannt durch den gleichnamigen Truppenübungsplatz und vielen Bundeswehreinrichtungen, wie die Panzertruppenschule.

Technik-Affinen Lesern sei das PANZERMUSEUM in Munster ans Herz gelegt, was die Geschichte des Panzers von Beginn an wiederspiegelt.

Persönliche Empfindung: Sehr gelungen und denn nüchtern ohne zu irgendeiner Zeit den Eindruck zu bekommen, dass ein Batzen Stahl, der nur den einen Sinn hat, schneller zu schießen und dann besser zu töten, glorifiziert wird!

So…es wird Zeit langsam „Ciao und Adé“ zu sagen. Ein zweiter Kreis schließt sich unweigerlich, denn der des Endes meiner Reise naht. 

Einen letzen Bericht wird es jedoch noch geben! Wohin?...Lasst Euch überraschen!...nur soviel, es wird sehr „lieblich“ werden und so sage ich wie immer die letzten zwei Monate am Ende meines Geschreibsels…

Fortsetzung folgt…

01.08.2018 GREETSIEL Ostfriesland

31.07.2018 OSTFRIESLAND und Moor Museum MOORDORF

NORD-OSTSEE Kanal mit Lotsenstation SCHÜLP / „Grenzübertritt“ nach OSTFRIESLAND und dann mal wieder „…zur falschen Zeit am RICHTIGEN Ort!“

Es gibt ein schönes Sprichwort, in dem viel Wahrheit steckt: „…NICHTS IST SO BESTÄNDIG, WIE DER WANDEL!“ Ganz Deutschland ächzt und stöhnt unter der Hitze. Jeden Tag ertappe ich mich dabei, wie ich auf dem Handy die Wetterdaten meiner nächsten Zwischenziele checke, wovon eines in RHEDE liegt und ich meine Gastgeberin immer wieder anschreibe, ob es nicht auch ein anderes RHEDE gibt, was außerhalb des Wüstengürtels der Erde liegt, weil es zu meiner Ankunft 38 Grad werden sollen.

Unwillkürlich muss ich an meine Bundeswehrzeit denken, wo ich im Rahmen der „Nothilfe“ für die Amerikaner, die (…damals noch zuverlässige Nato Partner) ihre Luftschläge im Ersten Golfkrieg von DIYARBAKIR in der Türkei flogen, wo wir (meine Einheit)…alte Haudegen werden ihn kennen…mit dem Spürpanzer „Fuchs“ und dem „MM1“ (Mobiles Massenspektrometer) Kampfstoffspüren mussten und zur Vorbereitung des Einsatzes in der Gluthitze (Oberwitz!) Deutschlands mit geschlossenen Luken und „VOLLSCHUTZ“ mehrere Stunden im Panzer arbeiten mussten, um uns an die Hitze zu gewöhnen! KINDERGARTEN! Leutnant und Zugführer „Sowiso“ (kann mich bei aller Gewalt nicht mehr an seinen Namen erinnern) hätte uns alle im Sommer 2018 auf ein Motorrad setzen sollen, er hätte perfekt ausgebildete Panzert Besatzungen gehabt.

Trotzdem…ich habe noch Glück, als ich mich wieder früh morgens seeehr zeitig wegstehle, wohl wissend, dass heute die Tagesetappe nicht so lang werden wird! Tages Etappen von 350-400 km halte ich bei so langen Touren für völlig ausreichend, weil Foto- /Pinkel- / Essens- und Konversationspausen MIR ein wichtiger Bestandteil meiner Touren sind! Mir egal, ob ich dann in der eingefleischten Szene als „Warmduscher“ oder „Blümchenpflücker“ gelte.

Es ist angenehm kühl und soll nicht so mörderisch heiß werden, so ist die Überlandfahrt durch OSTHOLSTEIN und die Landeshauptstadt von S-H KIEL bis zur HOLTENAUER HOCHBRÜCKE ein einziger Hochgenuss!

Die HOLTENAUER HOCHBRÜCKE beim gleichnamigen Ort ist die Ein- oder Ausfahrt (…wie man will) in den NORD-OSTSEE KANAL, der 1887 bis 1895 gebaut wurde, um der Hochsee-Schifffahrt den riesen Umweg um Dänemark herum ersparen zu wollen, der gerade wenn das Wetter in der NORDSEE stürmisch war, nicht nur eine Zeitersparnis war. So ist auch heute noch der Verkehr auf dem Kanal bei „Wetter“ deutlich mehr, obwohl die Passage den Redereien, nach Tonnage berechnet, ordentlich Geld kostet.

Die Besonderheitist, dass alle Brücken über den Kanal so hoch sind, dass die Großschiffahrt problemlos drunter durch fahren kann und dieser Zustand gerade für „Ship-Spotter“ ein Segen ist, denn die Pötter fahren einem buchstäblich unter den Füssen durch….und das manchmal im Minutentakt, denn der N-O Kanal ist eine der am meisten befahrenen, künstlichen Wasserstraßen der WELT!

Das Wetter ist also prima und ich verweile lange auf der Hochbrücke und sehe mit viel Fernweh alle möglichen Länder in Form von Flaggen an, die unter mir vorüber ziehen. 

Trotzdem…mein Tagesziel soll bei SCHÜLP liegen, wo die Möglichkeit besteht, direkt am Wasser sein Zelt aufzuschlagen und genau DANACH steht mir heute der Sinn! Ich hätte besser öfter den Wetterbericht gecheckt, die die dunkele Wand, die plötzlich (…nichts ist so Beständig, wie der Wandel!) hinter mir auftauchte, war angekündigt und gerade als ich ankomme und mir selbst wegen das tollen Platzes am Kanal auf die Schulter klopfe, klatschen schon die ersten, dicken Regentropfen vor mir auf das Pflaster. Ich schaffe es gerade noch den leichten Motorradüberzug (Schutzplane) aus dem Gepäck zu fingern, da bricht um mich herum die Welt zusammen. Es Blitzt, Donnert und Stürmt und ich hocke da am Kanal und kauere mal wieder bemitleidenswert unter meiner Plane. Wo ich schon mal da bin, drehe ich nebenbei das tägliche „Es geht mir gut!“ -Video für die Lieben daheim, was wohl für viel Gelächter gesorgt hat!

Zwischenzeitlich macht das Wetter nicht das, was Gewitter eigentlich schon im Kindesalter lernen, nämlich unter Getöse schnell weiter zu ziehen, sondern es setzt sich genau über mir fest und so sitze ich über eine geschlagene Stunde unter meiner Plane, die inzwischen massiv durchfeuchtet. Nach eineinhalb Stunden sehe ich blauen Himmel, der mir gar nichts mehr nützt, denn ich bin völlig durchnässt und gezwungen als Willkommensgruß für die Schiffe, alles und ich meine ALLES, was ich so am Leib trage, zum trocknen aufzuhängen, denn das Wetter tut so, als ob nichts gewesen wäre und bläst mit dem typischen Wind entlang des Kanals und lädt zum Trocknen ein. 

Auch ich nutze die Situation gleich schamlos aus und gehe eine Runde in dem fast lauwarmen Wasser schwimmen, was eigentlich verboten ist, wie ich hinterher von einem freundlichen, alten Herr erfahre, weil es wohl immer wieder vorkommt, dass Übermütige versuchen, ihn zu durchqueren und damit zu einer Gefahr für die Schiffe sind, deren Bremsweg über einen Kilometer ist. 

…und dann passiert es! 

ICH VERLIEBE MICH!

Keine 200m von mir steht das ehemalige Lotsenhaus von SCHÜLP und wartet nur verlassen darauf, dass ICH es finde. Dieses Kleinod holsteiner Baukunst war eigentlich kein Lotsenhaus, sondern eine Signalstation für die Wasserstraße. Ein herrlich schnuckeliges Haus direkt am Kanal, klein und mit einem verglasten Dienstraum, in dem ich mir sofort mein Wohnzimmer vorstellen kann. Jörg Finze, Pfeife rauchend im Lehnstuhl und die Schiffe zählen! Die GEZ wird keinen Pfennig mehr ihrer übertriebenen Gebühren von mir bekommen, denn ich schaue nur noch aus dem Fenster!

DAS HAUS WILL ICH HABEN!

Der freundliche alte Mann, den ich oben schon erwähnte, holt mich jedoch auf den Boden der Tatsachen zurück! Ich rede lange und nett mit ihm und seine Geschichten um den Kanal fesseln mich…trotzdem…das Haus kann ich mir abschminken meint er, denn es gehört der Kanalverwaltung, die einen Teufel tun wird, die unmittelbar am Kanal gelegenen Immobilien zu verkaufen, die nämlich einer Kanalverbreiterung…sollte sie mal kommen…zum Opfer fallen würden.

So verbringe ich auch noch den nächsten Tag am Kanal und hätte noch lange hier bleiben können, wenn nicht OSTFRIESLAND, meine eigentliche und wirkliche Heimat auf mich warten würde, wo ich in den dem kleinen Dorf am Moor schon erwartet werde.

Auf dem Weg dort hin liegt MOORDORF (…wenig originell, aber es heißt nun mal so!). MOORDORF hat eine sehr interessante Geschichte, denn angeblich sollen zur Zeit Friedrichs des Großen hier Sträflinge zwangsangesiedelt worden sein, die man vor die Wahl stellte, entweder Knast oder Moor kultivieren, was wahrscheinlich auf´s Gleiche raus kam. Ob das stimmt, weiß ich ehrlich gesagt nicht und es ist auch völlig egal! Ich weiß nur, dass zu meiner Kindheit angeblich immer eine erhöhte Frequenz von „Messerstechereien“ aus MOORDORF kam, was immer mit dem genetischen Fingerabdruck der Knastbrüder begründet wurde. 

Heute ist MORRDORF friedlich und hat ein wirklich schönes Moormuseum zu bieten, was sehr liebevoll die Zeit der Moorkollonisten wiederspiegelt und man macht sich keine Bild, wie karg und hart das Leben im Moor war!

Ist jemand mal in OSTFRIESLAND kann ich den Besuch hier nur empfehlen!...

So…Muttern wartet mit Dusche, Waschmaschine und einem Bett!...und Mütter sollte man NIE warten lassen!

Fortsetzung folgt…

GROSSENBRODE (Ostholstein) / FEHMARN-BELT und ENDLICH MAL TECHNISCHE PROBLEME!

(…für Judith als Strandlektüre!)

…endlich ist es soweit! Was wäre eine Reise, die inzwischen fast 7 Wochen dauert ohne besondere Bekanntschaften und Begegnungen ohne Regen und ohne eine Panne!? 

„Begegnungen der ganz besonderen Art und Regen? Bittteschön! Können Sie zur genüge haben! PANNEN sind gerade aus!...darfˋs auch etwas weniger sein? Wir hätten heute TECHNISCHE PROBLEME im Angebot! Bei Zweien kostet es nur die Hälfte!“

Also entschließe ich mich dieses Superschnäppchen sofort „mitzunehmen“ und als ich bei der morgendlichen „Vor-Abreise-Kontrolle“ der „Dicken Berta“ (…SO! Nun habe ich mich auch hier geoutet! Mein Schätzchen heißt nicht „Shileen, Jubilee oder Chantal sondern einfach „Dicke Berta“ in Anlehnung an…ist auch egal!) also bei den allmorgendlichen Streicheleinheiten für brave Dienste stelle ich also zwei Dinge fest! Der Simmerring im „Endantrieb“ fängt in Solidarität zu mir an zu schwitzen und im Hinterradreifen ist ein Riss! An dieser Stelle muss ich ein Lob für den HEIDENAU aussprechen! Er hat sensationell gehalten und hätte mich sicher nach Hause getragen!...wenn eben dieser Riss nicht gewesen wäre, dessen Tiefe nicht feststellbar ist und mich daher zum Handeln zwingt. Luft geht keine, aber DAS kann ja noch kommen!

Ja…der Reifen hat wirklich toll gehalten!...Leider kann ich dieses Lob der Firma HEIDANAU fürselbst nicht aussprechen! Vor Abfahrt hatte ich zwei Emails an sie geschickt, um zu erfragen, ob ich im Laufe der Strecke spezielle Händler, die sie beliefern, anfahren kann, um im Falle des Falles die Reifen zu wechseln! Eine Email wurde so allgemein beantwortet, dass sie völlig nutzlos war und sofort das Symbol mit dem Papierkorb bedient wurde, eine höfliche Nachfrage wurde nicht mal mehr beantwortet.

Gäääähn…Jörg Finze…wie lächerlich…Service an Kleinkunden haben WIR doch nicht (mehr) nötig! Willkommen im Kapitalismus HEIDENAU in Sachsen!

Kommen wir zurück zu den wirklich wichtigen Sachen des Lebens…Rissen in Reifen! Der solidarische Simmering verliert schnell an Bedeutung, nach zwei Telefonaten mit Facebook Freunden, die ich hier weil keine Rücksprache vorweg mal nicht nenne, die mich beruhigen und simultan Reparaturanleitungen wälzen und Entwarnung geben!

Der Reifen, der sich nicht entschließen kann, über den GUMMIJORDAN zu gehen, macht da mehr Sorgenfalten…und weil DIE meinem jugendlichen Singlegesicht überhaupt nicht stehen und jeglichen weilblichen Kontakt schon im Vorfeld im Keim ersticken lassen würden, entschließe ich mich zu handeln!

„und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“…und dieses Lichtlein hat einen Namen, „Rainald“ und seine Frau „Greta“ sind im Aufbruch einen 6 wöchigen Segelurlaub und haben Ihre sehr elegante Lady in „GROSSENBRODE“ in OSTHOLSTEIN liegen. Rainald…über meine WhatsApp Gruppe auf dem Laufenden, schaltet vor mir und schlägt vor, ich solle zwei Tage vor Ort auf ihn warten und er bringt mir den Reifen mit.

Das es herrlich warm ist, die OSTSEE inzwischen Mittelmeer-Temperatur hat und ich OSTHOLSTEIN aus meiner Zeit auf GUT EINHAUS, wo ich in „meinem sehr exklusiven Job“ beschäftigt war, ist eine Entscheidung schnell getroffen! 

So verbringe ich zwei tolle Strand und Freunde-Tage, die ich hier überrasche, in OSTHOLSTEIN und lasse meinen Reifen in KARLSHOF bei BERND von ZITZEWITZ, der jedem in der Dakar-Szene eine Begriff ist, wechseln! Bei dieser Gelegenheit ein Lob an die Jungs von Bernd!...nicht nur dass es keine Frage war, einem Durchreiseden zu helfen, auch wenn sie NICHT IHRE Reifen verkaufen können, sie haben am Morgen alles stehen und liegen lassen, um mich vorzuziehen, damit ich weiter kann!

Doch SO einfach komme ich bei RAINALD nicht aus der Geschichte raus! Das Schiff muss vor dem großen Ablegen ein paar Tage probegesegelt werden und da der Ostwind immer mehr „aufbriest“ und inzwischen 7 Stärken hat, werde ich als Leichtmatrose zwangsangeheuert auch um meine Seefestigkeit zu überprüfen!

Dem schadenfrohen Leser sei hier gleich mitgeteilt! Ich bin Ostfriese, an der See groß geworden und die einzigen Nörgeleien, die mir während der tollen Tage im FEHMARN-BELT und der OSTSEE über die Lippen kamen, war das betteln nach mehr Wind, damit es endlich mal spannend wird! Über den Bug hereinbrechende Wellen haben für einen Ostfriesen noch den Charakter einer langweiligen Kaffeefahrt!

Fazit…2 ½ tolle Tage auf See mit allem was dazu gehört und DANKE an Rainald und seine Frau Greta für Ihre Gastfreundschaft! Segelt gut, kommt heil zurück! Wir sehen und im Allgäu wieder!

So schön, wie es auch ist, das Reisefieber hat mich immer noch fest im Griff und sehr früh morgens, wo Skipper und Ostholstein noch schläft, mache ich mich vor der Hitze des Tages auf den Weg Richtung NIEDERSÄCHSICHE NORDSEEKÜSTE…

…wohin genau und was mich dort hinführt??...und was denn in DIESEM Post das „Gespann-Bild“ aus dem Afrika-Feldzug zu suchen hat?...DAS ERFAHRT IHR DANN SPÄTER!

Fortsetzung folgt…

22.07.2018 MECKLENBURG und PEENEMÜNDE

USEDOM mit PEENEMÜNDE und „…bin ich wirklich stolz ein Deutscher zu sein?“

Ich bin zurück!...ich bin zwar lange nicht am Ende meiner Tour, aber ich bin zurück in Deutschland.

Ein Mix aus Wehmut und Beklemmung steigt in mir hoch, als ich die EU-Grenze bei Stettin passiere. Ich frage mich verwundert über mich selbst und finde noch keine Antwort darauf…lange wird sie aber nicht auf sich warten lassen.

Es ist spät am Abend aber noch hell und deshalb beschließe ich mal wieder die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes in Anspruch zu nehmen. Dusche und Sozialkontakte auf Deutsch stelle ich mir als Willkommensgruß daheim sehr stimmig vor, also muss ich mal nicht Herrn Google bemühen sondern folge gleich in der ersten Ortschaft nach der Grenze dem blauen Hinweisschild mit dem stilisierten Zelt darauf, was dem Betrachter nicht nur den Weg sondern auch die Geborgenheit eines Zeltes vorgaukeln soll. 

Als ich dann in einer Ortschaft, deren Namen ich nicht mehr kenne, was ich nicht als tragisch empfinde, also als ich dann den Blinker links setzte und auf den Vorplatz fahre, fällt mir glich eine Ansammlung von perfekt kahlrasierten „Mitbürgern“ auf, die vor einem Vereinsheim um eine Kiste Bier sitzen und nur ungern ihre grölende Unterhaltung unterbrechen, als ich sie Frage, wo man sich hier denn anmelden muss. 

Einfältig grinsend weist mir einer den Weg und ich spüre förmlich das gegenseitige Zugrinsen des Restes der Truppe in meinem Rücken. 

Ich habe inzwischen fast 13.000km durchfahren, habe 14 Landesgrenzen überschritten und komme in mein „Heimatland“ um hier zu erleben, dass Gastfreundschaft AUCH MIT Freundlichkeit zu tun hat und das Land, in dem ich Lebe und aufgewachsen bin, offenbar wenig damit Hut hat!...und auch wenn mein „Begrüßungs-Komitee“ es nach der 3. Kiste Bier lautstark verkünden würde, wäre ich momentan „…nicht stolz, ein Deutscher zu sein!“

Ich eröffne dem Platzwart dann, dass ich am nächsten Morgen sehr zeitig fahren würde, bevor die Sonne hoch steht, weil ich entlang der Küste USEDOM erreichen wollte, weißt er mich drauf hin, dass ich (…aus der hinterletzen Ecke) mein (vollbepacktes) Motorrad herausschieben soll, damit ich niemanden wecken würde. „Du kannst mich mal!“…denke ich mir und genau DAS werde ich nicht tun!

„Welcome back to Germany!“ (Part1)…

Lichtblick des Tages: MAIKE und LISA... Zwei wirklich nette radelnde, junge Damen aus BERLIN, mit denen ich nach dem Zeltaufbau noch lange zusammensitze und wir uns bis zum endgültigen „aus“ durch die immer dreister werdendenden stechendenden Plageheister, Urlaubserlebnisse austauschen.

Ein für mich völlig unerklärlich klemmender Gaszug lässt mich am nächsten Morgen für alle hörbar das Straflager für Spießbürger verlassen und eine sehr schöne Tour führt mich durch die Weiten MECKLENBURG VORPOMMERNS zu der Insel USEDOM.

…eine wunderschöne Fahrt durch eine tolle Landschaft und endlich finde ich Feuerzeugbenzin und Feuersteine für mein ZIPPO und bin nicht mehr darauf angewiesen, dieses mit Super-Bleifrei zu betanken, was mir immer eine schwarz-rußende Nasenspitze eingebracht hatte.

USEDOM ist nur durch eine Klappbrücke zu erreichen und ich rate jedem Usedomreisenden, sich vorher über die Zeiten kundig zu machen, wann diese geöffnet wird, denn dann bilden sich kilometerlange Staus, gerade am Abend bei der Rückreise!

Mein Tagesziel ist PEENEMÜNDE, die flächenmäßig größte Gemeinde von USEDOM (Landkreis Vorpommern-Greifswald) und hat im 3. Reich und danach seine traurige Berühmtheit durch die „Heeresversuchsanstalt“ die unter anderem die „Aggregat4“ oder uns Lesern besser bekannt als „V2“, entwickelten.

Im Wahn der Zeit, versuchte man mit diesen ersten Marschflugkörpern der Geschichte, die eine Präzision eines Wurfballs bei den Bundesjugendspielen hatten und nur einem Ziel dienten, nämlich Terror zu verbreiten, die Welt zu erobern.

WERNHER VON BRAUN war maßgelblich an der Entwicklung dieser Waffen beteiligt, wollte jedoch nie Nazi gewesen sein und gewusst haben, was er dort konstruiert, was ihm denn die Amerikaner auch ohne Nachfrage abnahmen, weil sie ihn als „Vater“ für der spätere „Mercury“ Projekt und den Bau der Saturnrakete brauchten…wichtige Bausteine zum ersten Schritt auf den Mond.

Glück gehabt…andere weniger!

Trotzdem…das in PEENEMÜNDE eingerichtete Museum ist sehr gelungen, weil es DIESE Zeit nicht glorifiziert und interessante Einblicke auf einem großen Freigelände bietet.

Im Hafen von PEENEMÜNDE vor dem zu besichtigen größten KONVENTIONELLEN UNTERWASSERKREUZERS seiner Zeit U 461 mache ich dann vor Abfahrt nochmals Pause, tue das, was ich am liebsten mache, sitze nur da und beobachte Menschen und traue meinen Augen nicht, als ich dort eine Bank entdecke mit der Aufschrift: „Deko Bank- bitte nicht raufsetzen!“

„Welcome back to Germany!“ (Part2)

Nächster Stop: OSTHOLSTEIN in SCHLESWIG-HOLSTEIN zu einer Einladung der besonderen Art!

…aber lasst Euch überraschen!

Fortsetzung folgt…

19.07.2018 KOLBERG - WOLIN - STETTIN

KOLBERG / WOLIN / STETTIN…und die TOLLKÜHNEN MÄNNER IN IHREN BÄRENSTARKEN KISTEN

…gibt es einen Wettergott für Motorradfahrer hat er ein Einsehen mit mir und ließ den Regen aufhören. Es soll trocken werden…zwar langsam aber immerhin…und endlich bilden Wettervorhersage und das tatsächliche Wetter eine einmütige Allianz!

Endlich trocken…endlich nicht immer in die klammen Klamotten schlüpfen und die Geruchsprobe der Stiefel am Morgen (ich überlasse hier dem Leser und seiner Phantasie, wie und vor allem WO diese von statten geht!) verrät auch, dass ich das Schlimmste nun überstanden habe!

So mache ich mich früh am Morgen in meiner Pensionsherberge nahe KOSZALIN, die mal wieder mit 19,- Euro umgerechnet sensationell günstig war und sogar eine Veranda hatte, wo ich Abends draußen sitzen konnte, um das Tagebuch zu schreiben, auf den Weg Richtung KOLBERG, was ich von einem Blitzbesuch letztes Jahr noch in guter Erinnerung hatte.

Es gab dort letztes Jahr einen Leuchtturm direkt am Hafen, wo man prächtig Rast machen und dabei mehr oder weniger auffällig die Unmengen Touristen beobachten konnte, die sich am Hafen tummeln, um eines der sehr „bemerkenswerten“ Ausflugsboote auf die Ostsee zu ergattern. Die Reise geht dann für ca. 40 Minuten in Richtung offenen See und was zu Beginn gut gelaunt am besten noch mit irgendwas schwerem und fettigen auf der Speiseliste die Schiffe betritt, kommt dann (…und das konnte ich dieses mal feixend und schadenfroh beobachten) sehr weiß um die Nase und mit leerem Magen und gerne eine Tüchlein vor dem Mund wieder vom Schiff herunter, sehr zielstrebig jedoch immer noch mit schwankendem Gang eine der Sitzbänke, die sicherlich nicht umsonst nahe in Anlegernähe stehen, anzusteuern!

Gesagt, getan! KOLBERG angesteuert und wie vor Tau und Tag los, wieder das Verbotsschild am Hafen ignoriert, um 08:00 im Hafen den Kocher ausgepackt, Kaffeewasser gemacht, Käsesemmel geschmiert, teilklamme Klamotten und Handtücher sehr künstlerisch um Motorrad und Bänke zum Trocknen drapiert und fürˋs nun beginnende „Hafenkino“ gemütlich gemacht. Anfangs noch eher alleine, dann mit heraufkommender Sonne im Trubel der Erholungsuchenden…DIE SHOW MÖGE BEGINNEN!

Der Ort bietet alles an schrägen Ausflugs-Schiff Varianten und den dazu gehörigen Urlaubsfamilien mit zerrenden Kindern an, was er zu bieten hat! Danke für die Einladung!

So trenne ich mich schwer und immer noch feixend gegen Mittag von KOLBERG und mache mich immer an der Küste entlang weiter Richtung STETTIN…

Auf dem Weg dorthin komme ich an WOLIN (bis 45 WOLLIN) vorbei, eine sehr kleine Kleinstadt, die aber auf eine bemerkenswerte Geschichte zurückblicken kann. 

980 von den Wikingern als JULIN gegründet, hatte sie einen handelstechnisch sehr guten Standort und wurde dann immer bedeutender bis die Hansezeit hinein. WOLIN hat seinerzeit sogar Soldaten für die Verfolgung der sogenannten VITALIENBRÜDER, eine für die Zeit sehr moderne Seeräuberverbindung (mit Hinterbliebendenversorgung für die Angehörigen) um Klaus Störtebecker, die die Nord und Ostsee zur Hansezeit unsicher gemacht hat. Da ich in dem unmittelbaren Nachbardorf, wo Klaus Störtebecker immer wieder Unterschlupf bei den Ostfriesischen Stammesführern (die wirklich HÄUPTLING hießen!) aufgewachsen bin, erkläre ich mich heute öffentlich solidarisch mit ihm und verurteile aufˋs Schärfste, dass man ihn nach Gefangennahme auf dem GRASBROOK in Hamburg einen Kopf kürzer gemacht hat! Ich protestiere!

Genug der Revoluzerei, jedenfalls wurde WOLLIN mit den Potsdamer Verträgen 1945 polnisch, was es aber nicht daran hinderte, ein schmuckes Städtchen zu werden, was die Wikingervergangenheit durchaus zu vermarkten weiß!

Am späten Nachmittag mache ich mich dann auf den Weg Richtung STETTIN, einer Stadt nahe der Grenze zu Deutschland, der man sich deutlich länger widmen könnte, aber der zu erwartende Feierabend-Stau lässt mich die Entscheidung treffen einen Spaziergang in die Innenstadt zu machen, um dort die JACOBSKATHEDRALE zu besuchen, die als einer der schönsten und größten Kirchen Pommerns im backsteingotischen Stil gilt.

Stettin macht auf mich einen sehr jugendlichen Eindruck, trotzdem bin ich sehr erstaunt, dass das Durchschnittsalter der Kirchenbesucher (…und ich meine nicht Touristen!) die dort in stiller Andacht verweilen, unter 30 ist! Sehr bemerkenswert!

Viel zu spät mache ich mich dann auf den Weg Richtung Good old Germany und kurz vor der Grenze habe ich dann wieder einen dieser unzähligen Momente, für die man einfach dankbar sein muss!

Ich überhole 4 Deutsche Traktoren von sehr sehr alt und luftgekühlt Marke „DEUTZ“ bis jung und alle einen Wohnwagen tuckernd und stampfend zum Leidwesen einer beachtlichen Autoschlange dahinter, ziehend . Inzwischen durch die Reise völlig enthemmt halte ich sie an und frage, was es denn mit dieser landwirtschaftlichen Campingpolonaise auf sich hat. 

Franz, Heini, Mattias und Hartmut kommen aus der Nähe von Ratzeburg, der älteste ist kurz vor den 80gern und alle sind 2 Wochen mit ihren tollkühnen Kisten durch das Baltikum getourt. 

Witzige Geschichte, witzige Menschen!...tolle Idee, denen ich hiermit ein Denkmal in mein Erzählungen stifte!

Wer jetzt meint, dass ich nur weil ich in Deutschland angekommen bin, mich „daheim“ fühle und nun alles irgendwie ein Ende findet, weil nun weniger spektakulär, täuscht!

Ich habe noch über 2 Wochen vor mir!

Fortsetzung folgt…

19.07.2018 Stoczek Klasztorny

Kloster STOCZEK oder „Das große Schlamassel“

Es regnet!...es regnet seit 4 Tagen! Anfangs nur ein bisschen, dann über Stunden, dass sich Seen auf den Straßen bilden. Ein Abriss von dem Dreck der Straßen vermengt mit Wasser findet sich, hochgeschleudert durch das Hinterrad, in meinem Becher wieder und gibt einen sichtbaren Querschnitt der Tagesetappe. IGITT!

Bushäuschen, zu deren wahren Experten ich mich die letzten Tage entwickelt habe, werden zu ständigen und gern gesehenen Wegbegleitern. 

Ich mache kaum noch „Strecke“ weil ich mehr das Ende des Regens abwarte als fahre. 

Sehr wohl wissend, was ich tue, blieb der Regenkombi aus Platzgründen daheim.

So geht es eigentlich nur noch darum „irgendwie“ voranzukommen, um am Abend zu erkennen, dass in den Stiefeln das Wasser steht und man bis auf die Unterhose durchnässt ist. So tingele ich durch Polen und bekomme langsam die Wenigkeit einer Eule, weil ich unentwegt den Kopf um die eigene Achse drehe, um irgendwo ein Wolkenloch oder gar blauen Himmel entdecken. 

An Zelten ist nicht mehr zu denken, weil alles klamm ist und nur dreckig werden würde…mal ganz abgesehen davon, dass sich zusehends die Landschaft in eine Seeplatte verwandelt. 

Einen Abend stehe ich mal unter den mitleidigen Blicken, denn ich muss wirklich jämmerlich dahergekommen sein, also ich stehe dort und melde mich an („Einchecken“ ist mir zu „Neudeutsch“ und würde konkret nicht passen, weil es eine sehr einfache Bleibe war)…und wie ich da so stehe, hat sich unter mir ein beachtenswerter See gebildet, der den unwissenden Beobachter auf eine Blasenschwäche hätte schließen lassen können…

Trotzdem…WIE IMMER (!)…sehr freundlich empfangen und gleich nach den KOMPLETTEN Tageszeitungen der letzten Woche gefragt, um die Feuchtigkeit aus den Stiefeln zu bekommen! 

Klappt übriges prima und ich bin froh, dass es in diesen Ländern, auf die wir gerne UNBERECHTIGT arrogant herabschauen, überhaupt noch Zeitungen gibt!

Der Wetterbericht meldetet zwar immer für den Tag nachlassende Niederschläge, aber offenbar immer nur dort, wo ich mich NICHT befand, so stieg ich jeden Morgen wieder in den klammen, inzwischen leicht muffig riechenden Kombi, mit der Gewissheit, dass er auch heute nicht trocknen würde und machte mich auf in den polnischen Bezirk ERMLAND-MASUREN.

So wird es auch heute später und später ohne wirklichen Landgewinn und ich entschließe mich, dem Trauerspiel ein Ende zu bereiten und ein günstiges Zimmer in der Nähe zu nehmen. 

In Polen ist die „Agrotouristika“ (…mit unseren Ferien auf dem Bauernhof zu vergleichen) sehr verbreitet und eine dieser Unterkünfte ist nur 10km entfernt. Diese sind übrigens SEHR EINFACH gehalten und schon die Anfahrt über einen aufgeweichten Sandweg lässt erahnen, dass es nun „aufˋs Land“ geht. Vor dem Hof hat sich auch einer dieser typischen Seen der letzten Tage gebildet und die Zufahrt ist mit einem Weidezaun versperrt. Man hört mich aber und die junge Herrin des Hauses kommt mir mit schreiend roten Gummistiefeln entgegen, um mir zu sagen, dass sie völlig ausgebucht wären aber noch ein „Verschlag“ zum Nächtigen frei wäre. Was hier ein „Verschlag“ ist, erahne ich und lehne dankend ab…gleich jedoch mich selbst fragend, wie verwöhnt ich denn plötzlich sein würde, es würde nämlich in einer Stunde dunkel werden.

Trotzdem…der Satz ist draußen und ich wende das Schlachtschiff auf dem See. 

So fahre ich und fahre und es wird dunkler und dunkler…bis ich plötzlich ein Hinweisschild zu einem Kloster sehe und mich an RUMÄNIEN erinnere, wo man mir letztes Jahr schon mal aus christlicher Nächstenliebe aufgenommen hat.

Das Kloster taucht hinter einer Kuppe auf und ist genau so, wie man sich ein Kloster vorstellt…alt…ehrwürdig…ein wunderschöner, gepflegter Garten…dicke Ringmauern…ein Torhaus und eine alles beherrschende Kirche. 

So komme ich also angebrummt, versuche die abendliche Ruhe mit nicht zu viel Gas zu stören und stelle das Motorrad brav vorm Torhaus ab, dessen Flügel weit geöffnet sind. Ich bin noch nicht ganz vom Motorrad abgestiegen, als mir ein dunkel, aber sehr leger mit geöffnetem Hemd und in der Gegend herumhängendem Priesterkragen, aber unheimlich freundlich lachender Bruder entgegen kommt. Erst auf Englisch, was er gar nicht versteht, dann auch Deutsch, was er leidlich versteht, erkläre ich ihm meine verzwickte Lage und Frage demütig, ob nicht irgendwo ein Eck ist, wo ich zumindest im trocknen liegen kann. NATÜRLICH kein Problem winkt er mich hinter sich her und führt mich in ein Nebengebäude, wo „Gästezellen“ hergerichtet sind. Ich darf hier gerne bleiben, es gäbe Dusche und eine Küche, die ich nutzen könnte und das Motorrad soll behütet in eine ordentliche Garage, die mal Kutschenremise gewesen sein muss…

Er wünscht mir eine gute Nacht mit dem Hinweis, dann morgen früh um 07:30 der Gottesdienst sein würde und hinterher holt er mich zum gemeinsamen Frühstück ab. Wohl wissend, dass es kein Zwang aber gerne gesehen wird, dass man am Gottesdienst teilnimmt und ich es auch als selbstverständlich ansehe, mich in den Ablauf meiner Gastgeber so gut es geht einzufügen, sitze ich am nächsten Morgen fast alleine mit 5 anderen (wovon 3 geistliche Würdenträger sind) in der großen Klosterkirche und nehme am Gottesdienst teil.

Einen Ehrenplatz in meinen Erinnerungen bekommt der Messdiener, der (und er möge mir verzeihen, denn ich meine es nicht böse) mich sofort an „Quasi Modo“ erinnert. Leicht gebückter, wankender Gang und eine Buckelansatz. Ich komme nicht umhin, ihn immer wieder zu beobachten und kann gar nicht wirklich der Messe folgen. Der gute Mann hat echt zu tun, weil es immer wieder Handreichungen für die beiden Priester gibt und wenn er mal kurz aus der Pflicht ist, lehnt er sich unbeteiligt irgendwo gegen, entlastete gähnend das Hinkebein und verschränkt die Arme irgendwie teilnahmslos vor der Brust. Lange findet er jedoch keine Ruhe, denn seine Pflicht ruft ihn wieder und da er mehr auf den Beinen ist, wie ruhig stehen kann, ändere ich meine Meinung und finde, dass er besser in die Rolle des Butlers bei „Dinner for one“ passt. 

Hätte ich jetzt „Stein und Bein“ geschworen, dass er „nur“ seinen Job macht, war ich peinlich berührt, als ich ihn nach dem reichlichen Frühstück mit den Brüdern, weil ich mich einfach verlaufen hatte, tief versunken im Gebet in der Kirche überrascht habe. 

Ohne Zweifel ein tiefgläubiger Mensch!

Ich widme diesen Post, der bewusst nicht reich bebildert ist, den Brüdern dieses Klosters, die mich spät Abends noch aufgenommen haben und mir am nächsten Tag viele Einblicke in ihr Klosterleben gegeben haben.

(Anmerkung zum Kloster: Es hat in Polen einen besondere Bedeutung, weil der Primas der Katholischen Kirche Polens KARDINAL WYSZYNSKI dort von den Kommunisten nach dem Krieg für längere Zeit inhaftiert und unter Hausarrest gestellt worden war. Nachdem das RADIO FREIES EUROPA den Aufenthaltsort öffentlich gemacht hat, wurde er nach PRUDNIK in Oberschlesien gebracht.)

Fortsetzung folgt…

13. - 15.07.2018 Durch das BALTIKUM nach POLEN

GRENZÜBERGANG...GASTFREUNDSCHAFT 4.0 und „Lost Places“

...die sichere Geborgenheit der EUROPÄISCHEN UNION hat mich wieder! Und ich fühle mich merkwürdigerweise fremd! All das, was mir in den letzten Wochen bei der Tour durch die UKRAINE und RUSSLAND manchmal so befremdlich war…die schlaglochbewehrten Straßen, der halsbrecherische Verkehr und eine Sprache, die ich nur in Fragmenten verstand, fehlt mir nun und ich finde es angenehm bemerkenswert, wie schnell man sich an ein Land mit all seinen Facetten gewöhnen kann!

Nun stehe ich also vor Tau und Tag, mal nicht als Letzter einer großen Schlange und mal nicht bei Nieselregen an der Grenze und warte, dass MÜTTERCHEN RUSSLAND mir den Abschiedskuss nach LETTLAND gibt.

Aber Mütterchen hat heute morgen offenbar wichtigeres zu tun! Jedenfalls stehe ich mit ein paar anderen pestilenten Frühaufstehern innerhalb der Grenzanlagen und beobachte mit zunehmendem Grausen, wie ein PKW nebst Gepäck einer jungen Familie mit Säugling unter den strengen Blicken von 2 Grenzbeamten mit den so typischen PIZZATELLERGROSSEN DIENSTSCHIRMMÜTZEN in seine Einzelteile zerlegt wird.

UNBEHAGEN KOMMT AUF!

In unserer Schlange steht auch ein ältere Herr auch Düsseldorf, den ich hier mal „Heinz“ nenne und der mich in vielerlei Hinsicht an meinen Vater erinnert. Wir beide sind uns sympathisch und es bildet sich eine Notgemeinschaft im russischen Grenzbereich. Heinz ist sehr beredt und kann mir viel über seine Erfahrungen aus RUSSLAND berichten. Je „näher“ wir uns kommen und je mehr wir gemeinsame Interesses feststellen, taut Heinz auf und fängt an…sich mehr und mehr in Rage redend…die Grenzerwillkür zu kritisieren und das alles um uns herum eine reine Machtdemonstration ist. Ob Heinz Recht hat oder nicht, sei grundsätzlich dahingestellt, jedenfalls wird mir die Situation immer unbehaglicher und ich versuche, Horrorgeschichten von Richtmikrofonen in meinem Kopf herumgeisternd, immer mehr nach außen hin den Eindruck zu erwecken, dass ich diesen Mann GAR NIE kenne, seine Ausführungen vollends missbillige und ich für alles Verständnis habe, was gerade um mich herum abläuft (…nur nicht für Heinz!)!

Die Richtmikrofone waren wohl gerade ausgeschaltet oder eine der äußerst attraktiven, russischen Unformträgerinnen war noch nicht „online“ jedenfalls nach einer ganzen Zeit öffneten sich auch für uns die Tore in eine andere Welt!...in die ich eigentlich jetzt noch gar nicht zurück wollte!

Die Fahrt durch LETTLAND Richtung Polen kommt einem sehr aufgeräumt und westlich vor, so bleibt sie abgesehen von einem Ereignis, recht unspektakulär. 

Wenn ich toure habe ich unter anderem EIN festes Ritual…ab 17:00 werden alle anderen Aktivitäten wie „Sightseeing“ oder das Fahren selbst heruntergeschraubt und es wir nach einem „Übernachtungsplatz“ wie ich in immer nenne, Ausschau gehalten. Das sind meistes „wilde“ Zeltplätze, die die Kriterien „gut zu erreichen, aber trotzdem etwas gedeckt, fester Untergrund fürs Motorrad und einen See bitteschön, zu erfüllen haben. Klappt nicht immer aber meistens…Eines geht dieser Suche allerdings voraus, das Eindecken mit Lebensmitteln, denn treue Leser wissen, die bequeme Geborgenheit eines Hotels wird von mir nur höchst ungern in Anspruch genommen. Ich reise „puristisch“ und mit Zelt lebe lebensmitteltechnisch sprichwörtlich mangels Stauraum, von der „Hand in den Mund“.

Kurzum: Supermarkt endeckt, Blinker, Bremse…eindecken. Und wie ich da so stehe und irgendeinen klebrigen Riegel als Belohnung für meine Tagesleitung in mich reinstopfe, werde ich mit einem freundlichen Grinsen und leicht aktzentuierten aber sehr gutem Englisch von einem Typen der Marke „Harley Biker“ angesprochen. „Mario“ (sein richtiger Name) fragt mich, was ich mache, woher ich komme und wohin ich will und ein nettes Gespräch entwickelt sich (…als ich endlich ausgekaut habe..). Marios sehr sympathische Frau wird langsam ungeduldig, leiert ihm 50 Euro aus den Rippen und erlaubt ihm gnädig, er könnte weiter mit mir „Fachsimpeln“ sie macht derweil den Einkauf alleine. So stehen wir dort und reden und reden ohne das es langweilig wird. Am Schluss bemerkt Mario, dass es ja schon spät am Tag wäre und wo ich denn schlafen würde. Klare Frage und ehrliche Antwort: „Keine Ahnung…finde schon was, hat bisher immer geklappt!“ Kommt üüüüüberhaupt nicht in Frage, wenn sich seine Frau aus den Schlangen der Kasse gelöst hat, habe ich ihm zu folgen, er und seine Familie wohnen nur einen Katzensprung von hier und er hätte ein Gartenhaus, in dem könne ich bleiben. SIE wären nicht da und ich solle mich wie zuhause fühlen und morgen dann ausgeruht weiter fahren. Gesagt…getan! Das „…sie wären nicht da!“…stimmte dann nicht ganz, denn irgendwann in der Nacht gegen 00:30 kam Mario von einem Geburtstag zurück und forderte mich auf…ich meine jetzt noch etwas mehr grinsend wegen der vorangegangenen Geburtstagsparty…mich gefälligst aus meinem Schlafsack zu pellen und mich ihm auf die neue Freundschaft anzustoßen.

Wenn sich zwei Jäger um einen Tisch versammeln…auch wenn es Mitternacht ist…ist „Hubertus“ mitten unter Ihnen, so wurde ein noch eine kurzweilige Nacht. 

Mario ist also tatsächlich passionierter Harley Fahrer, hat zwei der Dinger persönlich aus den USA geholt und ist immer mal wieder in Deutschland. Gegeneinladung? Check!!...

Mein Weg führt mich dann am nächsten Morgen immer weiter in Richtung Polen auf die „russische Exklave“ zu, die eingebettet an die Ostsee als „Vorposten des Kommunismus“ von Polen umgeben ist.

Die Fahrt geht durch eine atemberaubende Natur in Richtung des ehemaligen „Ostpreußen“ auf die Stadt GOLDAP zu, die am Rande der in zumindest Forstkreisen sehr berühmten „ROMINTER HEIDE“ liegt. 

Je länger ich entlang der russischen Grenze fahre, desto einsamer und verlassener werden die Dörfer und wenn man ganz genau hinschaut, kann man auf exponierten Hügeln oft noch ihre verlassen und inzwischen der Natur zurückgegebenen Friedhöfe erahnen.

Einer davon nötigt mich zum Anhalten…“Lost Places“…

Fortsetzung folgt…

13.07.2018 GRENZÜBERTRITT NACH LETTLAND

11.07.2018 MOSKAU

11.07. „Sturm auf Moskau“

André!...André bekommt in meinen Erinnerungen einen Ehrenplatz! Ich müsste nachschauen auf den SPOT-Daten, die mich allgegenwärtig stalken, wo eigentlich dieser Campingplatz war, den ich nach langen Suchen aufgefunden hatte. Es war das immer wiederkehrende Spiel! Es wird Abend und plötzlich fällt einem ein, dann man ja auch irgendwo schlafen muss, man kann zwar in Russland „wild“ campen, aber dann verbringt man die Nacht unter Umständen in einer Zelle…auch ne Möglichkeit, ist aber mit Irritationen verbunden. Jedoch erhält man den so wichtigen Nachweis über eine Übernachtung, jetzt allerdings von der Polizei. Lieber nicht…!

Also Campingplatz gefunden und beim Einchecken fiel er mir gleich auf! Wer weiß, was ich beruflich mache, versteht, dass mir die Elch-Stange, mit der der Typ im kompletten Tarnanzug und…aufgemerkt…PALESTINENSERTUCH um den Kopf in den Händen hielt, gleich aufgefallen ist. Wobei das Gesamtkunstwerk Elchstange und Typ mein Interesse wecke. Da kam also dieser Typ an und schlich etwas murmelnd an mir vorbei. Ich muss wohl so verdutzt gewesen sein, dass mich meine Campingplatz Babuschka zweimal ansprechen musste, weil ich wohl nicht reagiert habe. 

Dieser Al-Kaida Verschnitt sollte mir den Abend noch mehrere Male über den Weg laufen, wobei ich zugebe, dass ich vielleicht auch unbewusst seine Nähe suchte, weil er mich so fasziniert hat! Wenig später traf ich also auf „Typ“ wie er im „Kaffee“ des Campingplatzes (eine Übertreibung, aber mir fällt nichts Besseres ein, denn es war einer dieser typischen russischen Aufenthaltsräume mit Lokalität, die sehr schlicht und zweckdienlich eingerichtet sind!) Da stand er nun im Tarnanzug und P-Tuch auf dem Kopf und hat so dermaßen gut gesungen, dass er damit Geld verdienen könnte. Keine Ahnung, was es war, es war eine Mischung aus Chanson und Schlager, jedenfalls rasend gut. 

Ich war so von den Socken, dass ich mir entgegen meiner Gewohnheit ein Bier (trinke sonst nur „harte“ Sachen) bestellte und ihm zuhörte! Der komplette Raum leer…ein Pärchen isst am Nebentisch und ich nuckel an meinem Bier und eben „Typ“ der richtig Gas gibt. Es ärgert mich heute noch, dass ich kein Video gemacht habe.

Später kamen dann Gäste und machten zum Fußball schauen die Glotze an, was „Typ“ veranlasste einen riiiiesen Schluck aus seinem Glas zu nehmen und den Raum zu verlassen, mit seiner so typischen leicht gebeugten Haltung, die mir gleich bei der ersten Begegnung aufgefallen ist.

Fußball ist sehr interessant, wenn es andere schauen, also nehme ich mein Glas und setzt mich draußen auf den Verandatreppe, um auf den See zu schauen und eine Zigarette zu rauchen! Urlaub pur!

Da kommt „Typ“ von hinten an und macht mir deutlich, dass man in Russland nicht alleine herumhockt und ich sollte doch zu ihm…und einer kleinen Gesellschaft…kommen.

Ich kürze nun ab, denn eigentlich ist ja Moskau dran…viele Bier, Zigaretten, einigen Hühnerbeinen (die seiner Meinung HIER besonders gut schmecken!) unzähligem Zuprosten und Schulterklopfen, weiß ich nun, dass er Andrè heißt, mal in Holland gearbeitet hat, extrem gut mit der Motorsäge schnitzen kann und ein super Typ ist!

Ich habe einen Freund gewonnen und als ich so am nächsten Tag vor mich hinträume, tut es mir fast Leid, dass Andrè nicht in Deutschland wohnt….und wenn ich das so schreibe, bin ich immer noch von diesem Typen total fasziniert!

Morgens also vor Tau und Tag los, denn ich wollte nicht zu spät in Moskau ankommen! Die Fahrt dort hin ist ein Abenteuer für sich! Es gibt zwei Wege von ST. PETERSBURG, um in die Hauptstadt dieses riesigen Reiches zu kommen. Eine Mautautobahn mit Mautstationen und eine „Schnellstraße“ , für die ich mich aus vielerlei Gründen entscheide. Das diese Straße so überlastet ist, dass sich Autos und LKWs nur so zu einer endlosen Schlange aneinander reihen ist das eine!...dass es aber unzählige Baustellen gibt, die teilweise 10km lang sind und in denen man die Tragdecke abgefräst hat…aber nicht in Rillen, sondern in RINNEN, die das Motorrad nur so hin- und herwerfen. Was ja bei langsamer Fahrt kein Ding wäre, aber „Langsam“ ist in Russland nicht, weil einem die LKWs eindeutig zu verstehen geben, dass das 50 Schild ein Missverständnis ist und man viel besser 100 fahren kann, wenn man den Vordermann anschiebt! Boah…Stress pur!

Jedenfalls erreich ich irgendwann die Haupteinfallsstraße nach Moskau und recht bald das berühmte „Panzersperrren-Denkmal“. DAS wollte ich unbedingt anfahren, weil es sehr geschichtsträchtig ist. Bis hier her hat es seinerzeit die Wehrmacht im 2. Weltkrieg „geschafft“ und ist dann (Gott sein Dank!) von der Roten Armee und den Stadtverteidigungstruppen aufgehalten worden. Stalin sein Flucht-Zug stand schon seit Tagen unter Dampf, aber er ist in der Stadt geblieben und hat die Verteidigung der Stadt in die eigenen Hände genommen (zumindest offiziell). Sicherlich war es für seine Soldaten ein Motivationsschub, dass er blieb.

Für MICH sollte hier allerdings nicht Schluss sein! Der ROTE PLATZ war von vorn herein mein selbst definiertes Ziel und von diesem war ich nur noch 30km entfernt…

30km die mir in Erinnerung bleiben werden, denn die meiste Zeit stand ich im Stau und wenn gefahren wurde, so völlig jenseits von Gut und Böse, dass es fast anfing Spaß zu machen, auch „illegal“ zu sein.

Eins sein gesagt! DER STADTVERKEHR VON MOSKAU IST HALSBRECHERISCH!

Irgendwann kurz vorm „Roten Platz“ war plötzlich keine Handynetz mehr und er selbst war von großem Polizeiaufgebot abgesperrt. Ich machte mir also erst mal ein Bild der Lage, floss mit dem Verkehr mit, um dann in einem zweiten Anlauf DEN Gehsteig anzufahren, denn ich mir im 1. Anlauf ausgesucht hatte. 

Motorrad dann abgestellt und dem Treiben vorm KREML mit den unzähligen Polizeikolonnen in deren Mitte sich 2 (!) abgedunkelte Limousinen befanden, die in Höchstgeschwindigkeit vorbeirauschten!...und wenn ich Höchstgeschwindigkeit sage, meine ich die auch!! Eine Limousine (Mercedes!) war besonders lang und der schützenden Konvoi besonders zahlreich!...Interessant…nachdem DIESER Konvoi durch war, war das Handynetz wieder vorhanden!

Ich bin noch 2 Stunden dort gesessen und habe alles förmlich aufgesogen, was um mich herum passierte! Um 22:00 bin ich dann bei deutlich weniger Verkehr raus aus dieser wunderbaren Stadt, die bei Dunkelheit ein ganz besonderes Flair hat…

40km vor Moskau habe ich dann ein gutes und günsiges Motel gefunden…nach den Eindrücken war nur schwerlich an Schlafen zu denken.

WAS FÜR EIN TAG!

Fortsetzung folgt…

09.07.2018 ST. PETERSBURG


08. / 09.07. Grenzübertritt nach RUSSLAND und ST. PETERSBURG

Eigentlich müssten es zwei Post werden und ich bin mir bewusst, dass ich dem nur an drei Zeilen gewöhnten, wovon zwei aus „Geil“ bestehen, Facebook-User jetzt eine Menge zumute, aber als Leckerli baue ich in diesen Post den Link zu einem Garmin Karten Update für RUSSLAND ein, den aber nur derjenige herausbekommt, der den Post KOMPLETT liest! Tja! Mitgefangen…mitgehangen!

Der Grenzübertritt nach RUSSLAND war einer der Tage, wo irgendwie nichts glattlaufen wollte! Ich bin zwar in TALLIN bei strahlender Sonne sehr zeitig los, weil ich früh an der Grenze sein wollte, aber 100km vor NARVA (Grenzübergang auf estnischer Seite!) fing es pünktlich zu regnen an und wollte nicht aufhören. Kurz vor der Grenze mache ich dann den typischen Halt, wo alles verstaut wird, was aufsehen erregen könnte und lege die Reisedokumente parat, dass ich an der Grenze nicht herumnesteln muss. Jetzt noch schnell das neue Ziel „St. Petersburg“ eingeben und ab zum Endspurt! Aber aus dem Spurt wurde erst mal nichts, denn ich verlies nun den europäischen Teil, den GARMIN noch zur Verfügung stellt und muss das Navi nun auf OSM von GARMIN umstellen. Die Karte, die ich vor Abfahrt der Reise schon aus dem Internet heruntergezogen hatte und per SD Karte dem Navi zum Fressen vorgelegt hatte! Aber es war nichts mit Fressen! Aus einem unerfindlichen Grund fand das Garmin ganze Städte nicht, von Straßen ganz zu schweigen! Ohne eine routingfähiges Navi nach St. Petersburg rein, war aktuell der schlimmste meiner Albträume! 

Es nütze nichts…in Deutschland noch alle Freunde die helfen könnten, aus dem Bett geworfen, Aufträge verteilt und dann immer noch bei Regen ab Richtung Grenze.

Dort angekommen war gleich man die Ernüchterung groß, weil die estnischen Grenzer mich er gar nicht zum Checkpoint vorließen, weil mir ein Schnipsel fehlte, den man vor der Stadt für 2,50 und eine Stunde warten teuer erkaufen musste. Wofür der wirklich gut ist, entgeht mir bis heute!

Also brav den Schnipsel geholt und oh Wunder…ich wurde vorgelassen! Sehr geschäftiges Treiben auf Seiten der Grenzer und bei mir steigender Puls. Es dauerte dann wieder eine geschlagene Stunde, bis sich die Pforten nach Russland buchstäblich öffneten und…NICHTS! Keine Grenzer-Willkür! Kein Demonstrieren der Macht! Im Gegenteil! Bei meinem diversen Grenzübertritten in der letzten Zeit, liegt „Mütterchen Russland“ was Freundlichkeit angeht mit Abstand vorne! Der Oberhorror, nämlich das Ausfüllen der ausschließlich in Kyrillisch gehaltenen Zolleinfuhrerklärung für das Motorrad, wurde völlig entspannt durch geführt, weil die Grenzer einem geduldig Tips gaben, wo denn nun die Kreuze hinmüssen und wo was hingeschrieben werde müsse! FABELHAFT! Meine Herren aus der UKRAINE, hier können sie lernen, wie „Kundenbindung“ funktioniert! Es wurde gescherzt und gelacht und die Kontrolle des Zolls beschränkte sich ausschließlich auf das kurze Öffnen der Koffer! MEHR NICHT!

Dieser Punkt geht an RUSSLAND!

Nun war ich also da, in dem Land, wo ich den meisten Bammel hatte und den man mir sehr gekonnt genommen hat! In der ersten Stadt nach der Grenze kam dann gleich mal die Erkenntnis, dass die SIM Karte, die ich in Deutschland schon „well prepared“ gekauft hatte, natürlich NICHT funktionierte!

Hier das gleiche Spiel! Handyladen mit Händen und Füssen gedeutet, dass ich eine SIM Karte bräuchte und weil die Dame erkannte, dass ich restlos keine Ahnung habe, hat sie mir diese gleich mal mit Ihrem Handy freigeschaltet! 2. Punkt an Russland!

Die Übernachtung dann in einem sehr einfachen Hotel, wo ich durch Zufall in eine lustig, frivole Damengesellschaft reinplatze, führe ich hier nicht weiter aus! Ich würde nur Neid schüren und „Aufschneider“ geschimpft werden!

Nur so viel: Russland zieht mit 3 Punkten davon! 

Am nächsten Morgen ging es dann los Richtung ST. PETERSBURG! In Ermangelung eines funktionierenden Navigationsgerätes tüdelte ich dann mein Handy an der Navihalterung fest, um zumindest die grobe Route angesagt zu bekommen, denn ich hatte über Booking.com ein Hotel vorreserviert, dass nicht zu teuer und trotzdem recht nahe (3km) am Stadtzentrum liegt.

In Deutschland setzte zwischenzeitlich mein Freund Ralph alle Hebel in der Ukraine und Rußland in Bewegung, um routingfähige Karten für mich zu bekommen. Denn mit einem nur durch Gummis gehaltenen Handy wollte ich nun echt nicht weiterfahren, sehe ich es schon im hohen Bogen auf der 6 spurigen Einfallstraße vom Motorrad segeln…Horror pur!

Also mit handygetüdeltem Navi super das Hotel erreicht, schnell das Zimmer bezogen und ab die Stadt! Eine Stadt, die so dermaßen lebt und an Sehenswürdigkeiten aus allen Nähten platzt. 

ST. PETERSBURG allein ist schon eine Reise wert und man kann für die Schönheit dieser Stadt kaum Worte finden, also versuche ich es mal mit Bildern!

Ein Ereignis heute Morgen will und muss ich noch an den Mann bringen, weil es so herausragend ist!

Ich heute morgen vor dem Berufsverkehr schon mit dem Motorrad los, um mir das ein- oder andere noch anzuschauen. Ich war nun mutig, weil das Navi inzwischen dank Ralph neue Karten hatte, die ich im Hotel nachts noch draufgeladen hatte. Extra für GARMIN und sehr detailliert und für GANZ RUSSLAND!

Ich also in meiner Euphorie los und nach einiger Zeit gleich mal eine rote Ampel überfahren! Das ist hier nicht schwer, weil überall Ampeln herumhängen, wo man sich manchmal aussuchen darf, ob sie gerade für einen selbst, die Fußgänger oder sonst wen gelten! ALLE HABEN NÄMLICH DIE GLEICHEN!

Also…rote Ampel überfahren und an der nächsten die Polizei mit Blaulicht neben mir! Keine Ahnung, wo die standen! Klare Anweisung an mich!...RECHTS RAN! 

Tja…ich sah mich schon im Sammeltransport nach Sibirien! Er sagte mir dann mit sehr ernster Mine, das ich eine rote Ampel überfahren hätte! Also dann den ganzen Wust an Papieren übergeben…Führerschein, Reisepass, Aufenthaltserlaubnis, letzte Meldebescheinigung. Dann erkennt er, dass ich Deutscher bin! „Footboll“? „Nein“ sage ich! Ich habe mit Fußball nichts am Hut und bin froh, dass die Deutschen Schönlinge heim sind! (Bin ich wirklich und jetzt dürft ihr bei mir die Scheiben einschlagen! Bin eh nicht daheim!). Als ich DAS sage, wird mir klar! Wenn DER Fußballfan ist, habe ich verschissen!

Der Satz ist aber draußen und er lacht laut! Mit einer Handbewegung, als ob er eine Fliege verscheuchen will, wedelt er herum und gibt mir meine Papiere zurück!

Handschlag!

Punkt 4! SATZ UND SIEG AN RUSSLAND!

Nächster Halt: MOSKAU!

Fortsetzung folgt…

(Hier nun der versprochene Link: http://garmin.gis-lab.info )

06.07.2018 RIGA

04.07.2018 MEMEL (deutsch) = KLAIPÉDA Hafenstadt in Litauen... Fotos Memel und Lettland

04.07. Memel / Litauen

„Ännchen von Tharau“ (…und übrigens nicht „Endchen…“) das sicherlich fast jedem bekannte Volkslied und die Stadt TALLIN in Estland sind eng mit einander verwoben! Das weiß ich und jeder einigermaßen gebildete Mitteleuropäer, der mit dem deutschen Liedgut vertraut ist!...und genau dieses „Ännchen“ ist der Grund, warum ich hier in TALLIN noch einen Tag verbringe, ehe MORGEN ich den Sprung über die RUSSISCHE GRENZE Richtung ST. PETERSBURG wage.

Eine Freundin in Deutschland schwärmte mir nämlich von dem Brunnen vor, wo eben dieses berühmte „Ännchen“ abgebildet ist…“in TALLIN…Du weißt schon“…und ich „jaja…schon klar, stand sowieso auf dem Programm!“…und so eierte ich mich durch dieses Telefonat, keine Ahnung habend, wovon sie redet, aber den festen Willen JETZT ERSTRECHT Tallin anzufahren und diese klaffende Bildungslücke zu schließen!

So machte ich das, was ich jeden Morgen kurz vor Start mache, ich checkte die Route und die Sehenswürdigkeiten, die an ihr liegen…im besonderen das Date mit „Ännchen“…

Da las ich, das „Ännchen“ samländisch niederdeutsch Anke van Tharaw, der Titel eines Liedes von Simon Dach aus dem 17. Jahrhundert ist und in dem er Anna Neander, die Tochter des Tharauer Pfarrers besingt, eine wahre Schönheit übrigens, glaubt man ihrem Standbild.

Hochinteressant, was ich da so alles lese und dazulerne und dass meine neue Reisebekanntschaft in M E M E L steht!...waaaaaaaaas? Da war ich vor ein paar Tagen und mir wird heiß und kalt, weil gerade mein Ruf als Gutallgemeingebildeter auf dem Spiel steht

…und mich trifft fast NOCHMAL der Schlag, als ich mir das Bild von ihr genau anschaue! Genau auf diesem Stadtplatz in MEMEL stand ich durch REINEN ZUFALL vor ein paar Tagen und habe Mittag und meine Korrospondenz gemacht. Und wie ich da so saß und mich wunderte, warum nun immer alles zielgerichtet auf diesen Brunnen zustürmt, kommt eine Radlergruppe daher…DEUTSCHE…Selfie vor dem Brunnen…Klar!...und fangen das Singen an!...und hätte ich ein bisschen besser hingehört, könnte ich heute schwören, dass sie das „Ännchen von Tharau“ gezwitschert haben! Also liebe Leser, WENN DAS KEIN SCHICKSAL IST!...denn ich habe den Brunnen aus reinem Zufall auch fotografiert und kann nun echt daheim protzen!

MEMEL, übrigens die nördlichste, deutsche Stadt damals als Teil von Ostpreußen, ist wirklich einen Halt wert. Sie ist nicht überlaufen und wirkt leicht verschlafen….angenehm. Die alte Bausubstanz ist teilweise sehr liebevoll erhalten, inclusive der Kopfsteinpflaster-Straßen, die sich im Stadtkern befinden und sehr mühselig (!) zu fahren sind. LITAUEN ist übrigens ein sehr gepflegtes Land, was in Teilen locker mit Deutschland mithalten kann.

Wenn man die drei baltischen Länder durchfährt, wird es Richtung Estland immer „Finnischer“ und deutlich westlicher. Die allermeisten Straßen sind in exzellenten Zustand, nur wenn man arg weit von Weg abkommt, kann man mal eine Sand/Schotterpiste erwischen.

Ich bin dann am Abend aus MEMEL (was in Littauisch KLAIPEDA heißt) raus und habe unmittelbar nach der LETTISCHEN Grenze direkt an einem der vielen, frei zugänglichen Übernachtungsplätze direkt am Meer übernachtet.

…am nächsten Tag sollte es dann früh nach RIGA weitergehen, aber davon in einem neuen Post!

Fortsetzung folgt…!

02.07.2018 VILNIUS Soldatenfriedhof "Begegnung mit der Vergangenheit"

02.07.18 Soldatenfriedhof VILNIUS

…in einer Zeit, wo Frau Claudia Roth von den „Grünen“ dazu aufruft, mit dem Schwenken der Deutschlandfahne zur WM (…ist jetzt nicht mehr soooo brisant!) sehr behutsam umzugehen, damit man keinen übertriebenen Nationalstolz hineininterpretieren könnte, muss man fast ein schlechtes Gewissen haben, wenn man einen Soldatenfriedhof besucht und dann gar noch darüber schreibt!

Gott sei Dank ist mir dieses Gefühl völlig fremd und ich mache einfach mal dieses „Fass auf“…!

Der gestrige Tag stand völlig unter dem emotionalen Eindruck des „FAMILIENBESUCHS“ oder BEGEGNUNG MIT DER VERGANGENHEIT

Immer noch in KAUNAS das schlechte Wetter abwartend, kam gestern aus der Heimat der Hinweis, dass HIER mein Großvater beerdigt sein müsste. Wie?...ich dachte immer, er sein in Rußland gefallen, aber ich habe nur eine wage Erinnerung an seinen Gedenkstein, der neben dem Grab seiner Frau also meiner Großmutter stand. Das ist sehr lange her, ich war 6 oder 7 und habe wahrscheinlich mit Krieg und Tod immer sofort mit Russland assoziiert.

Nun liegt er also direkt in der Stadt, die ich durch reinen Zufall aufgesucht habe, mehr Schicksal geht fast nicht! Herr Google machtˋs möglich und auf einer Webseite der Kriegsgräberfürsorge steht tatsächlich, dass es in KAUNAS einen Soldatenfriedhof nicht kleines Ausmaßes gibt.

Parallel liefen in der Heimat auch die Drähte heiß, denn plötzlich wurde Allen klar, welche Chance sich hier gerade auftun würde.

Dann der Hinweis „Nein!“ der Großvater liegt in VILNIUS mit sehr konkreten Angaben! Auch hier hat sich die Kriegsgräberfürsorge sehr um den Soldatenfriedhof bemüht und wird durch eine Reservistenkameradschaft der Bundeswehr unterstützt.

Da Vilnius nur 90km von hier entfernt liegt, die Klamotten dann aber noch einen Tag Zeit hätten zum Trocknen, war die Entscheidung sehr schnell getroffen, da eh die äußerst gefährliche Krankheit des „Lagerkollers“ drohte nach mir zu greifen.

Nur mit „leichtem Gepäck“ und mit einer Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit machte ich mich dann am späten Nachmittag bei fiesem Nieselregen noch auf den Weg nach VILNIUS.

Der Soldatenfriedhof ist in VILNIUS in eine riesige Parkanlage in der Innenstadt eingebettet und durch diverse Straßensperrungen aufgrund eines internationalen Folklore-Musik Festivals quasi ohne Ortkenntnisse nicht zu erreichen gewesen. 

…und dann passierte DAS, was ich unterwegs so zahlreich erlebt habe. Man frag jemanden, der allerdings kein Englisch spricht, der wiederum zerrt einen weiteren Passanten an, der zwar Englisch spricht aber nicht ortskundig ist, der wiederum jemanden anhält und bittet zu helfen und schwuppdiwupp stand eine Menschentraube um mich herum, die mir mit vereinten Kräften und extrem Multikulti den Weg weisen konnte! Eine echte Meisterleistung, denn ich konnte dann quasi bis vor das Eingangsportal fahren!

Schmeißt Euer Navi weg! Es lebe die Kommunikation!

Kennt Ihr den Filmbeginn „Der Soldat James Ryan“ , wo eben der gealterte James Ryan auf einem dieser riesigen Soldatenfriedhöfe in der Normandie auf seine „Retter“ stößt…meines Erachtens die mit Abstand bewegenste Szene des Film und extrem gut aufgearbeitet…an DIE musste ich sofort denken, als ich das schwere, eiserne Eingangstor aufschob...

Ich habe meinen Großvater gefunden!...

29.06.2018 SUWALKEN (Suwalki)

29.06.2018 CHELM

28.06.2018 Entlang der Grenze von BELARUS

27.06.2018 TSCHERNOBYL

...ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, wo der Begriff "Super-Gau" aus dem Radio kam! Heute bin ich nun dort!...die 3 letzten Tage waren sehr ereignisreich und haben mich in vielerlei Hinsicht in die Seele des Landes eintauchen lassen (...auch in schlechter...)! Ab morgen arbeite ich die Tage HIER auf...


27.06. Übernachtung in KIEV und Abstecher nach TSCHERNOBYL

Als am 26.04.1986 die Meldung durch das Radio kam, dass sich in der Ukraine nahe der Stadt Tschernobyl eine Reaktorkatastrophe ereignet hat, war ich noch Pennäler in den letzten Zügen, Sorgenkind meiner Eltern und wahrscheinlich gegen alles, was der Wohlstand so zu bieten hatte. Allerdings war ich dumm genug, nicht mal zu wissen, wo genau die Ukraine liegt, geschweige denn der Ort Tschernobyl. Also...jung und dumm…weit weg, also nicht von Belang! Das ich bis heute in meinem Berufsleben mit den Spätfolgen konfrontiert werde, war damals nicht einen Gedanken wert, weil unmöglich!

Aber der Trip nach Tschernobyl bzw. an den Rand des Sperrgebietes sollte von KIEV aus in Angriff genommen werden, wo ich mir einen „Campsite“ aus dem Internet genehmigen wollte. 

…UND DAMIT NAHM DAS UNGLÜCK SEINEN LAUF!

Der Campingplatz, hatte auf seiner Homepage eine Adresse angegeben, mit der das Navigationsgerät sogar etwas anfangen konnte, also „Feuer frei!“ und ab in den Feierabendverkehr von KIEV, der als sehr gewöhnungsbedürftig gilt. Alles kein Ding, der Übernachtungsplatz liegt eh am Stadtrand…also soooo schlimm wird es schon nicht werden! Von wegen!...Als ich mich immer mehr auf die Innenstadt zubewegte und der Verkehr nur noch aus Stop and Go mit wildem Hupen und rechts Überholen in Höchstgeschwindigkeit, wenn es die Situation zuließ, kamen mir Zweifel, ob ich wirklich auf der richtigen Route bin. Auch im Innenstadtbereich verzichtet KIEV nicht auf die landestypischen Schlaglöcher, die dann zur echten Gefahr werden, dass du dich beim Halten an der Ampel nicht mit dem Fuß abfangen kannst, weil er nur Loch und keine Straße findet. 

Irgendwann wurde die Wohngegend zum Typ „Brennpunkt“ und ich hatte mein Ziel erreicht. Wie jetzt…!?...weit und breit kein Campingplatz! Beim erneuten Lesen der Homepage stand irgendwann weit unten, dass es in KIEV zweimal diese Straße gibt und man solle nach Koordinaten navigieren! Und klar! Ich stand natürlich an der falschen Straße!

Da das Motorrad bei 32 Grad und kaum Fahrt richtig heiß geworden war, beschloss ich erst mal eine Pause zu machen, auch um mich neu und FINAL zu orientieren.

Irgendwann erbarmte sich eine junge (hübsche) Dame und erklärte mir in gutem Englisch, wo zumindest der Stadtteil ist, in den ich müsste.

Sie gab mir noch eine Telefonnummer, falls ich in irgendeiner Weise Probleme mit dem Motorrad oder wie auch immer bekomme, würde mir dort geholfen werden:

MOTORHELP UKRAINE +38 067 900 99 90 (Die gebe ich gerne für Nachreisende weiter!)

Die UKRAINE arbeitet sehr daran, ein interessantes Reise und Urlaubsland zu werden, das spürt man an allen Ecken und Kanten, mal abgesehen von einer Mitgliedschaft in der EU (…dieser Wunsch wird überall sichtbar!) Eindruck von mir: Ich gönne es ihnen von ganzen Herzen, denn es ist ein wunderschönes und abwechslungsreiches Land!...aber sie haben noch viel vor!

Der zweite Anlauf Campingplatz war dann von Erfolg gekrönt nebst netter Bekanntschaft eines Schweizer Rentner-Weltreiseehepaar inbegriffen und der Platzbetreiber PAVEL KORSUN war auch als Reiseführer engagiert und gab mir viele Tipps über das Land und meine Reiseroute, die ich aufgrund seiner eindringlichen Warnungen dann änderte!

Die Nacht war gut und so machte ich mich voller Elan und etwas Bammel wegen des KIEVer Verkehrs am nächsten Morgen auf den Weg nach TSCHERNOBYL.

Die Fahrt dorthin war sehr entspannt, denn der Verkehr in KIEV floss und die Straßen über Land waren später in sehr gutem Zustand. Ich weiß den Grund nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass das mit den andauernden Arbeiten am Reaktor-Sarkophag zusammenhängt, die überwiegend mit ausländischen Geldern finanziert werden. 

Am Sperrgürtel war dann Schluss für mich! Es werden Besichtigungen nach PRIPJAT angeboten, dass ich die dem Reaktor am nächsten gelegene Vorzeige- Stadt, deren Einwohner überwiegend am Reaktor arbeiteten, die heute eine Geisterstadt ist. Es ist sehr erstaunlich, wie sich um den Reaktor eine Wirtschaftszweig von der Tourismusbranche gebildet hat und heute eine wichtige Einnahmequelle darstellt.

Die Polizeikontrollen sind hier sehr gründlich…man darf nur mit einem in der Ukraine zugelassenen Auto und einer Sondergenehmigung in den Sperrgürtel und jedes Auto wird beim Verlassen AUSGIEBIG untersucht! 

Ich rate übrigens eindringlich bei Fotos von strategisch wichtigen Objekten und von Kontrollstationen jedes Mal vorher zu fragen! Alle waren bisher sehr freundlich und haben klare Anweisungen gegeben.

An diesem Kontrollposten durfte ich die Schranken mit der Straße fotografieren aber NICHT die Gebäude! Das Foto wurde hinterher auch kontrolliert!...

Ich ändere nun also meine Reisepläne und fahre nicht Richtung Krisengebiet KRIM, wo es gerade sehr geladen ist, sondern fahre über Polen und das Baltikum Richtung ST. PETERSBURG…

Aktuell sitze ich in LITAUEN in der Stadt KAUNAS und habe zwei Ruhetage eingelegt, weil der Wetter extrem umgeschlagen hat und ich mich aus der Zone des (warmen) GEMÄSSIGTEN KONTINENTALEN KLIMAS in die KÜHL-GEMÄSSIGTE ZONE bewegt habe.

Ich nutze nun die 2 Tage Regenwetter, um meine Bringschuld hier zu erfüllen …

Fortsetzung folgt…

Fotos: Tschernobyl + einige noch Kiev

26.06.2018 KIEV Hauptstadt und größte Stadt in der Ukraine

24./25.06. ODESSA und Anfahrt KIEV

Was hier als Überschrift in 2-3 cm erfolgt ist eine Strecke quer durch die UKRAINE vom Süden in den Nordosten von gut 500km immer auf der E95 einer autobahnähnlichen Straße. Aaaaaber Vorsicht! Mehr dazu später…

Eigentlich wollte ich noch einen weiteren Tag am SCHWARZEN MEER verbringen und hatte mir in meiner westlich-bornierten Blauäugigkeit gedacht, unterwegs im Bereich ODESSA noch ein schönes „Platzerl“ zu finden, aber Pustekuchen! Der Weg über Odessa zur Autobahn nach KIEV geht nur über die Trabantensiedlungen rund um ODESSA, denn der schnellere Weg schrammt wieder mal an der MOLDAWISCHEN GRENZE vorbei und von den Grenzkontrollen hier war ich immer noch traumatisiert!...also…an der Küste entlang und nochmal ins Wasser springen!

Von wegen! Je näher ich dem extrem angesagten Badeort ODESSA kam, desto mehr Autos mit Sonnenschirmen und Schlauchbooten auf dem Dach begegneten mir! Das endete dann in einem Stop-and-Go, wo auch dem Bürgersteig Schlangen von Menschen Richtung Wasser strömten und Kinder mit Badekrokodilen unterm Arm, die größer als sie selbst waren, an den Händen Ihrer Eltern zerrten!

Badetag gestrichen! So verließ ich auf schnellsten Wege die sehr pulsierende Stadt, um auf schnellsten Wege „entspannt“ auf anständigen Straßen Richtung KIEV zu kommen! 

2. Mal Pustekuchen! Wer meint, diese Straßen als Möglichkeit nutzen zu können, um mal in der Gegend herum zu träumen, denn der Verkehr längst nicht so dicht wie in Deutschland, hat sich geschnitten! Entlang der Autobahn stehen „fliegende Händler“, die ihre Waren anbieten und bei Interesse bleibt mal einfach mit dem Heck in den fließenden Verkehr ragend stehen. Der Hauptverkehr kann ja ausweichen… DENN DIE UKRAINE IST EIN SEHR WEITES LAND. 

…doch nicht genug! Es kommen einem auf dem Standstreifen Traktoren gar Pferdefuhrwerke entgegen und damit einem nicht langweilig wird, steht immer mal wieder ein Hinweisschild „Bodenwelle“, wo dann höchste Lebensgefahr herrscht, denn es weist dankenswerterweise auf Löcher hin, in denen einem die Felge brechen kann.

Trotzdem…sehr entschleunigt geht es entlang an einer atemberaubenden Landschaft mit riesigen Sonnenblumenfeldern. 

Nebenbemerkung: Die Ukraine hat KEINE Autobahngebühr!

Schlußbemerkung: Das Tanken in der UKRAINE ist sehr spannend, weil man nie weiß, was auf einen zukommt! Selbstbedienung, gibt es so gut wie gar nicht!...wenn kein Tankwart zugegen ist, gibt man das Geld an einer kleinen Luke am Kassengebäude ab!...WIEVIEL?...das ist eine berechtigte Frage! Am liebsten PASSGENAU...und mehr spuckt die Säule dann auch nicht aus! VÖLLIG VERWIRREND! Meistens ist jedoch ein Tankwart da, dem man das Geld in die Hand drückt...und wenn man Glück hat, versteht er, dass man VOLL haben möchte...was dann passiert, zeigt ein Bild! :-)

Am Abend habe ich Glück, denn mein Übernachtungsplatz liegt wieder an einem See, wo ich unbehelligt mein Zelt aufschlagen kann.

Der „Sturm auf KIEV“ beginnt dann früh!...und das war gut so, denn die Fahrt in DIESER Stadt kennt keine Regeln und ist mit einem angekündigten Suizid vergleichbar!

Doch dazu ein extra Post!...Fortsetzung folgt…

25.06.2018 ODESSA

24.06.2018 VESELYI KUT (oder PARIS)

…ich sitze irgendwo 30 km vor TSCHERNOBYL in einem Kaff, dessen Namen ich nicht mal kenne. Ein Kaff, wie man sie in der Ukraine so oft findet, bestehend aus einer langen Durchgangsstraße mit einem „Sommerweg“ (Sandpiste) neben der Fahrbahn, zwei oder drei Geschäften, die alle Möglichen Dinge des täglichen Lebens anbieten…meistens Schnaps, Wurst und Unmengen Süßwaren, einem Ortsplatz, der noch den Charme des Kommunismus trägt und einer alles beherrschenden, orthodoxen Kirche. Überall lungern irgendwelche Halb- und Mittelstarken herum, die unentwegt abwesend fast in Trance in ihr Handy starren und dabei obercool an Ihrer Fluppe ziehen!

Über genau so ein Dorf will ich jetzt schreiben, es ist ein Dorf wie jedes andere und doch nicht!

Meine AUFTRAGSARBEIT nach VESELEYI KUT!

Als es daheim die Runde machte, dass ich die Ukraine auf meinen Reiseplänen hatte, bat mich eine Freundin einen Abstecher in DEN Ort zu machen, der damals PARIS hieß und aus dem Ihre Großmutter wie zigtausend andere auch vor der vorrückenden Roten Armee im 2.Weltkrieg flohen musste.

Herr Google wusste nicht viel von dem Ort zu berichten und so galt es die gute, alte Landkarte zu fragen und sie hatte Antwort! Der Ort lang tatsächlich entlang meiner Route! Dass DAS noch lange nichts heißt und sich als fataler Irrtum herausstellen sollte, wurde erst viel viel später klar.

Von meinem sehr komfortablen Badesee machte ich mich dann am morgen des 24.06. auf den Weg…es zog sich wahnsinnig hin, weil erstens des Navigationsgerät immer wieder Aussetzer hatte und ich daher zwischendurch immer wieder meinen Weg anhand von Ortsschildern auf der Karte überprüfen musste (Nebenbemerkung: SO soll angeblich auch F-J Strauss geflogen sein!...er war ja Hobbypilot!) und weil die Straßen (völlig irreführender Ausdruck) immer schlechter wurden. So verfuhr ich mich immer öfter, weil es inzwischen auch keine Ortsschilder mehr gab. 

Stinksauer und böse Flüche ausstoßend wollte ich umdrehen, als ein VW Bus hielt und mir Hilfe anbot. Schnell stand eine Menschentraube gestikulierend um mich herum und als die allgemeine Erkenntnis war, dass ich NULLKOMMANULL verstehe, was sie mir sagen, erbarmte sich der VW Bus Fahrer und hieß mir, ihm zu folgen. Am Ortsausgang verabschiedete er sich dann, mit dem Worte ich müsste nur noch geradeaus fahren (…glaube ich).

Dann begannen eine ca. 15 km lange Straße, die ohne zu übertreiben als EIN SCHLAGLOCH bezeichnet werden konnte und um das fahrerische Können etwas zu fordern, waren über die Hälfte mit Wasser gefüllt, dass man ihre Tiefe nicht beurteilen konnte. Was durchaus ab und zu notwendig gewesen wäre, wenn einem nämlich ein LKW oder nur ein genauso löcheriger fahrbarer Untersatz hiesigen Fabrikats auf seiner Fahrbahnseite entgegen kam und ein Spurwechsel schon sehr praktisch gewesen wäre. Da aber alle irgendwie in der Gegend mit Schrittgeschwindigkeit herum eiern, ist die Situation schnell zu meistern.

Und dann kam ich endlich im Outback an, wo sich schnell die Dorfrocker einfanden, die mir Hilfe bei der Ahnenforschung anboten. Es kam nicht wirklich viel dabei heraus, aber ich hatte eine wahnsinnig interessante Begegnung mit Piotr, der „Wandermaler“ ist…gerade die neue orthodoxe Kirche ausmalt und mich in die alte Deutsche Kirche reingelassen hat. Die Deutsche Kirche hat eine wechselvolle Vergangenheit: Nach dem 2. WK waren erst Rumänen drin, dann die Russen und jeder hat die Heiligen des anderen übermalt. Als die Russen aus dem Land sind, war die Kirche Kinosaal und Jugendbegegnungsstätte, bevor sie ganz dem Verfall Preis gegeben wurde. 

Das Dach fehlt übrigens, seit sich im 2. WK ein Scharfschütze verschanzt hatte und die Russen mal kurz gelüftet haben…

Das dann folgende obligatorische Trinkgelage, wo ich mich schon nach dem ersten KEINEAHNUNGWAS ausklinkte, mit dem guten Grund weiter zu müssen, führe ich mal aus reinem Selbstschutz nicht näher aus! Nur so viel…die trinken echt aus Wassergläsern und dann EX!....Brrrrrr!

JA! Sicherlich kommt auf meinen Reisen der kulturelle Part viel zu kurz, weil ich viele KM mache…aber gerade DIESE Begegnungen hast Du nicht, wenn man ein Programm nach Reiseführer durchzieht. Was auch seine Berechtigung hat…eh es hier Wellen schlägt!

Fortsetzung folgt…

22./23.06.2018 FAHRT ZU GRENZE UND EINREISE UKRAINE...

Es ist 06:00 Ortszeit (05:00 Deutschland) und ich habe beschlossen, noch ein-zwei Stunden mit dem Zeltabbau zu warten, weil alles durch einen wahnsinnˋs Tau klatschnass ist! 

Ich habe keine Eile, denn mein Visum für Rußland beginnt erst in 10 Tagen, daher lasse ich es etwas ruhiger angehen und reflektiere nochmals die letzten zwei, sehr ereignisreichen Tage.

Da MOLDAVIEN nicht unbedingt als ein unproblematisches Land (Sicherheitspolitisch) gehandelt wird, hatte ich mich kurzerhand entschlossen, es nicht großräumig zu durchfahren, sondern die Transitstrecke möglichst kurz zu halten (…das war sie dann mit 1km wirklich!) und in die UKRAINE unmittelbar am schwarzen Meer Richtung ODESSA (…oder Odjessa, wie man es hier korrekt nennt) einzureisen.

Das es sich bei diesem Grenzübergang NICHT um ein Vorzeigeprodukt BEIDER Länder handeln sollte, habe ich allein daran gemerkt, dass mir LKW und Autos auf MEINER Fahrbahn entgegen kamen, um den kratertiefen mit Wasser gefüllten Schlaglöchern auszuweichen, was mich wiederum aus einem Selbsterhaltungstrieb dazu bewog IHRE Fahrbahn zu benutzen, so das es von oben wie ein munteres Hin-und Herschlängeln ausgesehen haben muss. Seit gestern bin ich der Meinung, dass das stoische Einhalten von Fahrbahnen in Deutschland völlig überbewertet wird! 

Ich schreibe jetzt keine Details der Kontrolle als solches, aber ich möchte, dass Ihr Eure Fantasie anspornt und was dann dabei rauskommt, ist der Realität sehr nahe!

Der Grenzübertritt hat ca. 2,5 Stunden gedauert und ich war sehr erstaunt, was ich alles dabei habe, als es so auf der ukrainischen Seite von dem Grenzpolizisten auf dem Asphalt ausgebreitet wurde!

Keine Details…ich will wieder raus hier!

GANZ WICHTIG! OHNE DIE GRÜNE VERSICHERUNGSKARTE SCHICKEN DIE EUCH WIEDER HEIM!

Nun bin ich also hier…in einem Land, wo die Schriftzeichen schon kyrillisch sind und nur wenige wirklich Englisch sprechen. In ISMAJIL fand ich mit Hilfe eines Deutschen, der hier mit seiner Frau wohnt, gleich einen Geldautomaten, denn Visa an Tankstellen ist SCHWER! Gerd…ein obercooler Typ gab mir gleich seine Karte, mit dem Hinweis, ich könne ich Tag und Nacht anrufen, wenn es Probleme gibt! Gott segne Gerd und sein Handy!...ich muss offenbar ein bemitleidenswertes Bild abgegeben haben!

Vorweg: Erster Eindruck! Die Menschen in der Stadt sind viel offener, als auf dem Land. Beim Tanken habe ich immer den Eindruck argwöhnisch und tuschelnd von der Seite betrachtet zu werden.

Stadt genau das Gegenteil! Die hübschen Damen arbeiten hier im Handyshop (übrigens 3,50 umgerechnet für eine 6GB Karte!) und weil ihr PC im Laden gerade streikte, haben sie mir die Handykarte über ihr privates Handy freigeschaltet! Also selbst gekauft…freigeschaltet und Guthaben draufgeladen und mir dann für 3,50 in die Hand gedrückt! Ich wäre sonst völlig aufgeschmissen gewesen, weil das Freischalten bzw. die Anweisungen dazu in Ukrainisch gewesen wären. 

Kurz…auch wenn mein Kurzpost von neulich für Irritationen geführt hat, weil „Technikgruppe“…ein Wort zu den Straßenhunden, weil es mich bewegt!

Ich dachte auch aus meinem Besuch ROMÄNIENS von letztem Jahr, dass der Hotspot sich in SIEBENBÜRGEN (also die Gegend um SIBIU) befinden würde, weil das mit einem sehr hohen Roma-Anteil der ärmste Bereich Rumäniens sein würde. Von wegen! Je mehr ich von SIEBENBÜRGEN Richtung Grenze fuhr, desto mehr und im erbärmlichen Zustand wurde die Situation der Hunde! Man hat sie immer wieder in Rudeln und an der Straße in jedem Aggregatzustand gesehen…Lebend…frisch tot und aufgegast…plattgefahren und als Skelett! …WAR FÜR MICH WIRKLICH SEHR BEDRÜCKEND!...

Genug: Aussichten für nächsten Tage! Ich pelle mich mal langsam aus meinem Schlafsack, springe ins Wasser und werde dann abbauen. Heute habe ich den Auftrag für ein „Spezialfoto“ für die Familienchronik zu erfüllen und dann werde ich mich langsam auf den Weg nach TSCHERNOBYL machen!

Ich hoffe, dass die Landbevölkerung offener wird und das Tankstellennetz dichter!...und DANN!?...Lasst Euch überraschen!

Fortsetzung folgt…

22./23.06.2018

22.06. 2018 Fahrt zur Grenze UKRAINE

22.06.2018

2. FRÜHSTÜCK MIT KORRESPONDENZ😉...guten Morgen!

Bin heute morgen nun wieder auf der Tour und das ist gut so!...am späten Nachmittag fing schon wieder dieses Kribbeln an...! Ich bin zeitig los aber nicht zeitig genug. Die schlechten Straßen lassen mich mein Pensum nur schwerlich schaffen. Ob ich heute noch die Grenze zur UKRAINE erreiche ist unsicher...

Das nur als kurzes Update...ausführlicher dann nach dem Grenzübertritt, denn der wird spannend werden. UKRAINE soll "nicht ohne" sein...

21.06.2018

NOCRICH / Rumänien

Die ersten 1500 km liegen hinter mir und ich habe mir einen Ruhetag verschrieben!....Jaaaaaaa!...ich sehe schon die erhobenen Zeigefinger der selbsternannten Experten in die Höhe schnellen!...Aber die Fahrt bei sengender Sonne (36 Grad gestern), der selbstmörderische Fahrstil der Eingeborenen, LKW Schlangen so weit das Auge reicht auf der Landstraße und Schlaglöcher Marke „Bombentrichter“ schaffen einen alten Mann nun mal, deshalb nach 2 ½ Tour Tagen Ruhetag! ENDE DER DISKUSSION!

Es fällt mit schwer, alles in EINEN Post zu packen, weil die Gegensätze nicht größer sein können aber ich versuche es mal.

„…haben Sie WIEN schon bei Nacht gesehen?“ trällerte vor 20 Jahren Reinhard Fendrich und bis zum 18.06.18 hätte ich diese Frage ruhigen Gewissen mit NEIN beantworten können! Aber da war dann diese Einladung in Wien, die ich nicht ausschlagen wollte und konnte!...ich fasse mich kurz: Für einen eremitischen Ulmerthalbewohner, wie ich es bin, stellt eine 4 stündige Besichtigung der Wiener Innenstadt zu Fuß eine mittelschwere Durchschlageübung dar…nicht wegen der platten Füße (habe ich eh von Dienstwegen), sondern wegen des pulsierenden Lebens, was diese Stadt mit ihrer wunderschönen Archtektur ausstrahlt. Wenn man bedenkt, dass große Teile der Innenstadt Braunaus bekanntestem Sohn für seinen Architekturwahn weichen sollten, dann ist es doppelt gut, wie alles dann gekommen ist! WIEN IST EINFACH WUNDERSCHÖN!...DANKE! an meinen ganz persönliche Stadtführerin, die sich andauernd feixend neben mich stellte, weil ich den Mund nicht mehr zu bekam!

So brach ich am 19. mit einem Sack voller Eindrücke, bei deren Verarbeitung mir eine Kopfschmerztablette half, auf Richtung ungarische Grenze, die nur einen Katzensprung von Wien entfernt liegt. Ungarn war für mich nur ein Transitland auf dem Weg und daher habe ich es recht unspektakulär durchquert mit einer Übernachtung auf einem Zeltplatz, weil ein Gewitter drohte und ich morgens zeitig den Übertritt nach RUMÄNIEN machen wollte.

Der Plan war gut, scheiterte aber an keine Ahnung woran! Jedenfalls haben wir in einer überschaubaren Schlange von 6 Autos 45 Minuten in der schon jetzt brütenden Sonne warten müssen, bis man sich die Ehre gab! Das erdet jedenfalls und führt einem vor Augen, dass man in den Ländern, die man nun bereist, sagen wir es mal etwas diplomatisch „die Dinge etwas ruhiger angehen lässt“!

Trotzdem alles gut…den Schlaglöchern immer gekonnter ausgewichen und drängelnde Autofahrer vorbeizuwinken finde ich inzwischen nicht mehr ganz so peinlich!

Nun sitze ich hier in vielerlei Hinsicht wohl behütet in dem Kloster, was mich letztes Jahr schon aufgenommen hat und werde mit selbst angebautem Obst und Gemüse reicht beschenkt.

Ich nutzte diesen Tag auch, um die Route von hier aus zu planen, denn ich betrete nun im wahrsten Sinne Neuland…so weit Richtung SCHWARZES MEER war ich noch nie (…letztes Jahr bin ich in die KARPERTEN abgebogen) und ich überlege nun, ob ich MOLDAVIEN direkt anreise und durchquere (…da ist in Teilen aber die Situation angespannt!) oder Richtung ODESSA direkt in die UKRAINE fahr, aber auch da schramme ich am Krisengebiet vorbei, was um Längen brisanter ist.

Ich will jedenfalls meine Dreckfüsse ins SCHWARZE MEER baumeln lassen und dann weiter nach TSCHERNOBYL…irgendwie!...lasst Euch überraschen…Fortsetzung folgt!

PS: Skurrile Randbemerkung: Gestern hat das Navi mal kurz gesponnen! Schätze mal zu heiß geworden, weil die heiße Abluft des Ölkühlers innen an der Frontscheibe abgeleitet wird!...

PPS: Das Bild mit den Dame im Kofferraum des Golfs…das Kloster hat zwei Mauern…einen äußeren Ring und einen inneren! Zwischen den beiden Mauern laufen Hunde in der Nacht, weil hier die Kriminalität recht bemerkenswert ist. Also DAS passiert, wenn sich die Hunde über Tag mal von der Kette lösen!

RUMÄNIEN

19.06.2018

Guten Morgen an Euch ALLE! Starte jetzt, denn habe heute 450 km vor mir bis zu dem Kloster in Rumänien wo ich eine Einladung habe. Bin ca. 60 km vor der Grenze...noch in UNGARN...will aber bis Mittag einiges schaffen da es sehr heiß ist! Das berühmte KONTINENTALKLIMA...am Abend werde ich dann mal fleißig sein und ein paar Eindrücke zu "Papier" bringe... Jó reggelt Jörg

WIEN

18.06.2018

17.06.2018

Tag 1 TRAVEL TOUR RUSSIA:

...es gibt heute nicht viel zu berichten! Ich habe das Allgäu am Mittag fluchtartig verlassen, weil megadunkele Wolken aufzogen. Zu meinem Entsetzen musste ich dann vorhin erfahren, dass es erst am Abend gewittert hat! 

Damit hat sich das Fenster "Umschulung nach Rückkehr zum Wetterfrosch" selbstredend geschlossen!

Der heutige Tag ist unspektakulär und dient nur der Raumüberbrückung nach Wien, wo ich morgen eine Einladung habe.

Das ist auch gut so, denn es braucht immer eine gewisse Zeit, sich an das andere Fahrverhalten des schwer bepackten Streitrosses zu gewöhnen!

Heute kein Zelt, denn ich bin bei Freunden untergekommen...

Aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich für die VIELEN, VIELEN GUTEN Wünsche zu bedanken!!!....

Aaaaalso: Natürlich nehme ich Euch ALLE mit...wurscht! Es wird sich noch ein Platzerl finden! Wann immer es geht, werde ich Euch in Wort und Bild auf dem Laufenden halten und versuche, die Stimmung der Reise...auch jenseits von Benzin und Gummi...einzufangen.

Viel Spaß beim Lesen...Schauen und Mitträumen!

Ich verwende einen SPOT, der in erster Linie für den Notfall gedacht ist, aber ich ECHTZEIT meine Position übermittelt!

Ein super Gerät ohne dass mich meine "Lieben" daheim NIEMALS losgelassen hätten!

Lust mich legal zu stalken???...dann werde ich hier den Link veröffentlichen!

(....und KLAR!...vor den jeweiligen Etablissements schalte ich ab! FÜR WIE BLÖD HALTET IHR MICH??) ;-)

Gute Nacht!

Euer Jörg

...fertig! Das Abenteuer kann beginnen!..