Reise nach Aserbaidschan

September-Oktober


31.10.2019

30.10.2019

29.10.2019

28.10.2019: nach fast 10.000 km in Aserbaidschan angekommen!

Der Held vom Handy Shop!


27.10.19 ABANO Pass Abfahrt / „ IRAKLI GOGOTIDZE“

Vorab möchte ich mit Blick auf die „Deutschen Strafverfolgungsbehörden“ ausdrücklich versichern, dass ich bei dem nun Geschilderten nur „stiller“ und gleichsam entsetzter Beobachter war!

 

Der ABANO Pass ist mit 2850m der höchste befahrener Pass im Kaukasus und wird in verschiedenen Ranking Listen mit den gefährlichsten Straßen dieser Welt recht weit oben geführt. Die letzten Jahre hat es hier hunderte Tote gegeben und wenn man gegenüber einem Georgier erwähnt, dass dieser Pass nun das nächste Ziel ist, verfinstert sich seine Mine und im gleichen Atemzug werden einem die besten Wünsche mit auf die gefährliche Reise gegeben.

Er führt in den Bezirk TUSHETIEN mit verschiedenen Bergdörfern, wobei OMALO das bekannteste ist.

Im Juni hat es hier das jüngste Unglück gegeben, wo ein ganzer LKW in eine mehrere hundert Meter tiefe, senkrechte Schlucht abgestürzt ist und alle 8 Personen, die sich teileweise auf der Ladefläche befunden haben, ums Leben kamen.

Die Fahrt auf den Pass ist durchaus als gefährlich und anspruchsvoll zu bewerten, weil immer wieder ganze Straßenabschnitten abbrechen, ein enormer Steinschlag herrscht und weite Teile der 35km langen Piste zum höchsten Punkt nur einspurig sind.

Dort oben haben wir nun übernachtet (den Bericht dazu reiche ich die nächsten Tage nach!).

Ich ziehe diesen Bericht vor, weil ich einfach Details nicht vergessen möchte und versichere, dass sich alles genau so zugetragen hat und ich nichts dazu phantasiert habe.

Bei der Rückfahrt vom Pass zurück in das Tal bemerke ich, dass das weiße Vehikel hinter mir nicht mehr Sabine ist, sondern ein amerikanischer 4x4, dem ich dann als eine Ausweichstelle kam, auswich, damit er seine hier übliche rasante fortsetzen konnte. Wenig später und diverse Kehren weiter, sah ich ihn, wie er zurücksetzte und neben der Piste wartete. Sofort erwartet man dann Gegenverkehr, womöglich ein LKW und die Augen fangen an, die Fahrbahn abzuscannen, um für einen selbst eine sichere Begegnung zu ermöglichen.

Doch nichts tat sich! Stattdessen stiegen Fahrer und Beifahrer aus, was für mich grünes Licht bedeutete. Also weiter!

Als ich kurze Zeit später bei ihnen ankomme, wedeln, rufen und gestikulieren sie freundlich zu mir herüber, ich solle doch anhalten.

Kontakt zur immer freundlichen Bevölkerung ist sowieso gut, also klemme ich mich hinter seinen Schlitten, um die Pass-Straße frei zu halten. Das gelingt jedoch erst, nach mehrmaligen Vor- und Zurücksetzen, hektischem Kurbeln am Lenkrad und mehr oder weniger eindeutigen Handzeichen der Gastgeber.

Der Fahrer hat natürlich gleich bemerkt, dass ich aus Deutschland komme und kramt nun in der hintersten Ecke seines Gehirnes ein gebrochenes „Guten Tag!“ hervor. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so etwas immer ein super Einstieg für eine Konversation ist, die zwar recht bald nur noch durch Zuhilfenahme sämtlicher Gliedmaßen aufrecht erhalten werden kann, aber der Anfang ist gemacht. So frage ich ihn, woher er so gutes Deutsch spricht und…mir fällt die Kinnlade herunter…denn er berichtet mir, dass er einige Zeit in der Stadt „Norden“ (Norddeutschland / Nordseeküste) als Automechaniker gearbeitet hat. Genau diese Stadt ist ca. 10km von dem Dorf entfernt, wo ich aufgewachsen bin und nun wieder lebe. Wahnsinn! Das kann doch kein Zufall sein…

Dann verfinstert sich sein Blick etwas und er stellt mir seinen Freund und Beifahrer vor. „Irakli“ und er sind nicht zufällig hier und erst jetzt bemerke ich die Tafel, auf der 7 Menschen darunter Kinder und eine Frau abgebildet sind, dazu ein LKW. Sie alle sind die Opfer des jüngsten Unglückes hier auf der Pass-Straße und „Irakli“ war mit einigen verwandt. Beim LKW haben aus irgendeinem Grund die Bremsen versagt, jedenfalls gab es für keinen eine Rettung.

So sind wir zufällig Gäste einer ganz privaten Trauerfeier mitten in dem wildesten Teil der kaukasischen Berge.

Wie es hier in Georgien jedoch gute Sitte ist, zieren recht bald große und kleine Flaschen den Tisch und man isst und trinkt sehr ausgelassen mit seinen Gästen.

Mein fortwährender Einwand, dass ich doch noch Fahren müsste und er deshalb mit dem hochprozentigen Marke „Flammbierbar“ etwas sparsamer bei mir einschenken möchte, wird lauthals Lachend mit einer Bewegung, als ob er ein lästiges Insekt verscheucht, völlig ignoriert. Ich solle doch der Polizei sagen, sie sollen sich an Ihn wenden, wobei ich leider seinen Namen schon nach der Vorstellung vergessen habe. Und sowieso: Die Polizei hält nur Georgier an und niiiiiiiemals Deutsche an!

Na, das habe ich aber anders erlebt!...denke ich mir.

Mir geht es aber weniger um die Polizei, sondern wir sind längst noch nicht unten und ich sehe meinen roten Tiger schon irgendwo an der nächsten Felswand unprofessionell eingeparkt. Das ihm so zu sagen, traue ich mich dann doch nicht, würde er sofort Rückschlüsse auf meine generellen Fahrkünste schließen.

Also trinken wir, umarmen uns und sind fröhlich an diesem doch eigentlich traurigen Platz.

„Irakli“ ,der passend zur Location ein Gebirge von einem Mann ist, führt im Sommer Reittouren über den Pass, ist ein echter Naturbursche und ein Typ so richtig nach meinem Geschmack, wenn er mit seinem dröhnenden Bass von erlegten Wildschafen in den Bergen berichtet.

„Irakli“, wohl um den Moment noch eine besondere Note zu geben, nestelt in der Tasche und…ich traue meinen Augen nicht…holt als wenn es das selbstverständlichste der Welt wäre (was es hier auch ist!)eine Tüte Cannabis heraus, um dann augenblicklich mit geübten Handgriffen den Tabak aus einer Zigarette zu bröseln, ihn mit dem Cannabis zu mischen und dann wieder eine Zigarette mit dieser Spezialmischung zu basteln.

Da ich befürchte, wenn ich jetzt Widerstand leiste, er mich am ausgestrecktem Arm über der Schlucht baumeln lässt, bis ich einwillige,  nehme ich anerkennend die herumwandernde Zigarette, drehe mich weg um dann mit beseelten Blick so zu tun, als wüsste ich, was ich gerade tue.

Gut, dass ich einen Hund im Auto habe, der just in diesem Moment wahrscheinlich eine Durst-Attacke schiebt und ich nun dringend dorthin müsste, wobei mein Fehlen wahrscheinlich eh keiner mehr bemerkt. Als dann die Luft im wahrsten Sinne des Wortes „rein“ ist, geselle ich mich wieder dazu und genieße einfach den Augenblick mit meinen neuen Freunden und sauge förmlich alles ein, was ich die letzten 2 Stunden erlebt habe.

 

…dann wird es Zeit für den Abschied und wir drücken uns landestypisch fest und herzlich, tauschen gute Wünsche aus und schon rumpeln wir wieder weiter Richtung Tal.

Nach einiger Zeit taucht wieder mit sagenhafter Geschwindigkeit der amerikanische 4x4 im Rückspiegel auf, fährt neben mich, der Beifahrer reicht mir durch die geöffnete Scheibe nochmal seine Hand und dann sind sie auch schon in einer riesigen Staubwolke verschwunden, die sie verschluckt.

Als sich der Staub legt, sind sie auch weg, als ob es sie nie gegeben hätte!


27.10.2019

26.10.2019

24.10.2019

21.10. – 23.10.19 KREUZPASS und GERTEGI Kirche

georgisch: Gertegis Sameba / Dreifaltigkeitskirche

Ich reise inzwischen nicht mehr alleine. Sabine, mit der ich nach Georgien eingereist bin und gemeinsam ein paar Tage in CHONI verbrachte, bis der Lagerkoller mich zur Weiterfahrt antrieb, und meine Wege haben sich wieder gewollt gekreuzt.

 Am Einstieg der Passstraße (ehemals GEORGISCHE HEERSCHRASSE) zum KREUZPASS (2395m) haben wir uns am Abend sehr „romantisch“ in einem fast ausgetrockneten Flussbett getroffen, das jedoch alle Kriterien eines Übernachtungsplatzes erfüllte. Die Reste eines im Frühjahr sicherlich reißenden Flusses sind zu einem stark plätschernden Bach zusammengeschmolzen. Aber für ein Bad für Mensch und Tier reicht es allemal. Es ist ruhig und der Lärm der in ca. 200m verlaufende Passstraße, die auch in der Nacht mit LKWˋs, die in Richtung der nahen russischen Grenze fahren stark frequentiert ist, wird durch den Bach übertönt.

Alles wäre ein ganz normaler Abend geworden, hätten nicht die Hormone verrückt gespielt! Aus dem Zusammenhang wird nun der aufmerksame Leser vermuten, dass es mich noch einmal „erwischt“ hat!? Aber NEIN, denn 1. würde ich dann hier nicht so freizügig darüber berichten, denn der Gentleman schweigt und genießt und 2. reise ich nicht alleine! Ergo ist „Ingo“ mein Hund der Übeltäter, der mir einen riesen Schrecken eingejagt hat.

 Es fing damit an, dass ich vor Sabines Ankunft noch mal eine Runde mit ihm laufen wollte, um mich später ganz dem Besuch zu widmen. Es war schon finster, aber ein reflektierendes Halsband zeigte mir immer seine Runden ca. 30m von mir entfernt. Ingo läuft meistens ohne Leine, weil ich zu jeder Zeit auf ihn einwirken kann, doch dieses Mal hätte ich vorgewarnt sein müssen, als er sich an einer Fährte festzusaugen schien.

Mit einem Mix aus Bequemlichkeit und Zuversicht schlenderte ich dann zum Auto zurück, mir selbst einredend, „…der wird schon kommen…!“ Nur kam er nicht!

Rufen bis zum fast hysterischen Schreien, Pfeifen und Fluchen brachten ihn nicht zurück, was mich dann nach 20 Minuten so beunruhigte, dass ich hastig den Tisch vom Rad riss und die Wäscheleine losband, um ihn mit dem Auto zu suchen. Kurz vorher hatten im etwas entfernten Ort die Hunde ein großes Getöse anstimmen hören, so dass ich Ingo als Grund dafür vermutete.

So war es dann auch!

 Eine Brücke und ca. 3km weiter fand ich ihn dann am Ortsrand mit zwei anderen Hunden seelenruhig an einem Steinhaufen sitzen, als wenn er sagen wollte: „Wo warst du so lange?“

Seine neuen Freunde oder eher Freundinnen waren sehr friedlich und haben wahrscheinlich belustigt zugesehen, wie ihr neuer Spielgefährte ins Auto verfrachtet wurde, wo es dann eine liebevolle Standpauke gab: „Du sollst doch nicht mit den Schmuddelkindern spielen“.

Am nächsten Morgen ging es dann recht früh los Richtung Pass, um dem ab 10:00 einsetzenden Hauptverkehr zuvor zu kommen.

Die Zufahrt über zum Pass belohnt einen nach jeder Kurve wieder mit einem neuen, atemberaubenden Bergpanorama und ab 1800m kam sogar blauer Himmel heraus.

Die Ortschaften auf dem Weg dorthin und jede erdenkliche Möglichkeit oben, sind dann auf den wachsenden Tourismus ausgerichtet. Das muss man nicht toll finden, aber so ist es nun mal so in dieser strukturschwachen Gegend und wenn man fair ist, spielen sich auf einem etwas anderen Niveau in Deutschland ähnliche Szenen ab. Wer das nicht glaubt, soll mal eine Eintrittskarte für Neuschwanstein in Hohenschwangau kaufen!

Kurz vor dem Gipfel wird es nochmal kulturell, dort befindet sich ein sehr beeindruckendes, halbrundes Mosaik, dem DENKMAL DER FREUNDSCHAFT ZWISCHEN GEORGIEN UND RUSSLAND.

Auch wenn heute des Verhältnis der beiden Staaten seit dem Kaukasuskrieg 2008 leicht angespannt ist, war das einmal anders. 1783 schlossen beide Länder einen Vertrag, um sich gegen die islamisch geprägten Nachbarn zu wehren. Trotz Vertrag wurde 1795 Georgien durch persische Truppen so verwüstet, dass kaum ein Stein auf dem anderen blieb. 22.000 Menschen wurden in die Sklaverei verschleppt. Darauf hin verstärkte Russland seine Bemühungen um Georgien, was mit der Annektierung 1801 endete.

Der Abend hat dann noch ein echtes Highlight für uns parat!

 

Weit oberhalb von STEPANZMINDA thront auf 2200m weit sichtbar die ZMINDA SAMEBA Kirche vor dem gewaltigen Bergmassiv des KASBEK (Gletschers). Es geht eine gut ausgebaute Straße dort hinauf, wir wählen durch einen kleinen Navigationsfehler die Strecke durch ein kleines Dorf mit noch kleineren Gassen, wasaber deutlich mehr Spaß machte. Die letzten Kilometer blieb uns jedoch nichts anderes übrig, als den „Touristen Highway“ hinauf zu nutzen, der durch sehr rasante, einheimische Kleinbusfahrer genutzt wird, die scharenweise Touristen an diesen wirklich außergewöhnlichen Ort bringen.

Die einzigarte Kirche mit ihrer grandiosen Lage wurde im 14. Jahrhundert gebaut und war der orthodoxe Hauptsitz der historischen Provinz CHEWL.

Der Standort wurde angeblich bewusst gewählt, denn vor der Kirche soll auf diesem markanten Berg ein Kreuz gestanden sein. Zum Bau und Unterhalt der Kirche wurden die Bewohner des Dorfes GERTEGI verpflichtet, die seit dem „Leibeigene der Dreifaltigkeit“ genannt werden.

Wer hier oben Stille und Ruhe sucht, muss warten, bis sich die Touristenströme wieder in die Hotels im Tal auf den Weg machen. Dann ist man hier alleine mit der Magie dieses Ortes.

 …wohl deshalb beschlossen wir auch, hier oben sozusagen im Schatten der Kirche und des KASBEK Massives zu übernachten, auch wenn es schon sehr kalt wurde.

 …ob wir erfroren sind oder einen exclusiven Blick auf einen phantastischen Sternenhimmel hatten, bleibt vorerst im Verborgenen, denn FORTSETZUNG FOLGT

22.10.2019

21.10.2019

Sonntag, 20.10.19 ATENI SIONI Kirche und ANTONI, der Eremit

Ich sitze auf dem KREUZPASS (Georgische Heerstraße 2395m), den ich bewusst heute noch einmal aufgesucht habe, um hier den Tag zu vertrödeln. Langsam nimmt der Verkehr in meinem Rücken zu, der busweise Ladungen von Touristen hier hochkarrt, LKWˋs kriechen mit heulenden Motoren Richtung russische Grenze, die nur einen Steinwurf entfernt ist und die ersten Gleitschirme kreisen über den eindrucksvollen Bergmassiven. Und ich...ich nutze die Entschleunigung eines Reisenden, der kein Zeitlimit hat und halte die Ereignisse der letzten Tage nun endlich mal wieder fest.

Diesen Post widme ich ANTONI, dem orthodoxen Priester, der seit vielen, vielen Jahren allein in den Bergen wohnt und sich dort seinem Glauben hingibt.

Doch ich will vorne beginnen:

Meine Reise auf dem Weg nach ASERBAIDSCHAN hat mich in Georgien inzwischen in die Nähe von TIFLIS geführt, wo ich mir bei der Stadt GORI die ATENI SIONI (Zion) Kirche in den Bergen anschauen wollte. Die Kirche wurde der Mutter Maria geweiht und erhielt ihren Namen nach dem Berg ZION. Sie wurde im 7 Jahrhundert als “Kreuzkuppelkirche” gebaut und ist heute noch ein bedeutender Ort in der georgisch-orthodoxen Kirche.

Da explicit das Fotografieren in der Kirche nicht gewünscht ist, wird es hier auch keine Fotos von der Innenansicht geben, denn als Gast in fremden Land hat man sich den Wüschen, Sitten und Gebräuchen des Gastlandes zu fügen!

Ich möchte jetzt auch nicht ausschweifend die wirklich schönen Wandmalereien im Inneren beschreiben, die ich jedem aber wirklich wärmstens ans Herz lege, zumal sie gerade restauriert werden.

Nach der Außenbesichtigung platze ich jedenfalls unverhofft in einen Gottesdienst. Klassische Situation: Ich öffne die portalartige Tür und alle Augen sind auf mich gerichtet. Mit einer entschuldigenden Geste, drehte ich kleinlaut auf dem Absatz um und vertrieb mir die Zeit mit dem erkunden der vielen Details, was die Kirche und die angeschlossenen Gebäude zu bieten haben.

Nach dem Gottesdienst sprach ich den erst-besten an, den ich als geistigen Würdenträger ausmachen konnte und entschuldigte mich ausdrücklich dafür, gestört zu haben, denn ich weiß, wie wichtig den orthodoxen Christen ihr Gottesdienst ist.

So traf ich “Antoni”. Ich schaute in ein freundlich, lachendes Gesicht, aus dem es sofort in besten Englisch heraussprudelte, dass sie hier gerne Gäste hätten und ich nicht stören würde. Aber wenn ich schon den Gottesdienst verpasst hätte, müsste ich ihn nun zu sich nach Hause begleiten und etwas mit ihm trinken. Ich muss dazu sagen, dass Antoni gerade in vollem Ornat auf ein Mountainbike stieg und sich anschickte, eine dieser lächerlich getönten Sportbrillen aufzusetzen. Allein dieses Bild hat mich so fasziniert, dass ich gerne einwilligte, denn nichts habe ich gerade so viel wie Zeit.

So saß Antoni einige Zeit später fixiert durch mehrere seiner vollen Plastiktüten auf meinem Beifahrersitz und sagte halb belustigt, halb entschuldigend, dass er als Eremit leben würde und der Weg oft nicht befahrbar wäre, was aber gut so ist, denn so würde er seine Ruhe vor den Menschen haben. Was er damit meinte, konnte ich nach einer knappen halben Stunde erleben, denn der Weg halsbrecherisch über Geröllfelder, durch Bachläufe und Anstiege, die nur im 1. Gang mit Differenzialsperre und Untersetzung zu bewältigen waren.

Mir war Angst und Bange um mein Auto, während Antoni auf dem Beifahrersitz munter von seinem Leben und seinen Tieren, mit denen er zusammenlebt und die eindeutig “die besseren Menschen” wären, erzählte.

Er lebt seit 20 Jahren völlig abgeschieden in den Bergen auf ca. 5 Quadratmeter beheiztem, umbauten Raum, der Rest seines Lebens spielt sich draußen ab. Vorher war er einige Zeit in einem Kloster in Palästina mitten in der Wüste, wo er die Silberschmiede-Kunst erlernt hat.

Nachts schleichen die Wölfe um sein Haus, wie er mir berichtet und Bären soll es auch geben.

Mit ihm leben 2 Katzen, 2 Pferde (als Last- und Reittier) und die beiden wirklich angsteinflößenden Hunde.

Ich merke sofort, dass seine Art mit den Tieren umzugehen, ganz besonders liebevoll ist. Und er berichtet mir, dass er als orthodoxer Mönch Tiere als Mitgeschöpfe sieht, die man respektvoll behandeln muss und daher auch nicht essen sollte. Auf die Schrotpatronen angesprochen, erzählt er feixend, die hätte er an einen Jäger übergeben sollen, aber er wüsste, welche Verwendung diese haben und deshalb hat er sie einfach bei sich gelassen...und da stehen sie nun!

So sitzen wir draußen und trinken löslichen Kaffee und ich höre gebannt zu, wodurch die verschiedenen Glaubensrichtungen sich unterscheiden, wie sich sein Leben wandelte und was er noch für Baupläne vorhat.

Zwischendurch klingelt das Handy, was in einer PET Flasche gelehnt steht. Er nimmt ab und spricht auf den Tisch gelehnt in das Telefon. Auf meinen ratlosen Gesichtsausdruck sagt er später, NUR an dieser Stelle hätte er Empfang, daher hat er sich diese “Halterung” gebaut. Wenn er übers Internet Nachdichten empfangen möchte, muss das Telefon in eine hängende Fischdose.

So stelle ich die alles den Tag bestimmende Frage, wovon er eigentlich leben würde!?

Milde lächelnd sagt er, alles was er braucht baut er an oder findet er im Wald, manchmal bekommt er Spenden auch für seine Tiere und Gott wüsste, wenn ihm etwas fehlen würde! Er hätte keinen Mangel, denn Gott wacht über ihn!

Soviel ehrlich gemeintes Gottesvertrauen lässt mich klein und nichtig erscheinen!

Der Tag endet viel zu schnell und als ich ihn am Abend an der Kirche bei seinem Fahrrad absetze, möchte ich ihm etwas geben. Sehr ernst lehnt er ab, mit der Bemerkung, er hätte mich nicht eingeladen, weil er etwas erwartet hätte, sondern weil ich ihm von Anfang an sympathisch war und in Georgien Gäste als Geschenke Gottes gelten.

 ...am Abend konnte ich wegen Nachhall des Tages lange nicht einschlafen...

Dieser Mensch und dieser Tag bekommen einen Ehrenplatz in meinem Leben und auf meiner Reise!

Danke Antoni!

Möge Gott dich weiterhin behüten!...    

20.10.2019

17./18./19.10.2019

14./15./16.10.2019

10./11./12.10.2019

Grenzübertritt Georgien und “Irrungen und Wirrungen”

06.10. - 08.10.2019
Ich reise nicht mehr alleine! In der Türkei vor der georgischen Grenze traf ich mich mit Sabine, um den Grenzübertritt gemeinsam zu machen und hinterher die ersten Eindrücke des neuen Landes, die in erster Linie aus Geldautomat, Tankstelle und SIM Karten Kauf bestehen, im Doppelpack zu meistern.
Jeder von uns wäre natürlich alleine in der Lage gewesen, dieses zu tun, aber zwei Toyotas jeweils mit Hunden und den dazugehörigen nicht ganz alltäglichen Fahrern unterschiedlichen Geschlechts, erwecken nun mal nicht das große Interesse. Ergo gingen wir als „Pärchen“ durch.
Bei ALLEM was ich jetzt im Anschluss schreibe, soll sich der aufmerksame Leser immer wieder vor Augen halten, dass GEORGIEN daran interessiert ist, Touristen ins Land zu bekommen und damit einen neunen Wirtschaftszweig zu erschließen.
Vorab sei schon mal gesagt: Sie üben noch!
Die Türkei lies uns freundlich, wenn auch etwas holperig das Land verlassen. Auf der georgischen Seite gerieten wir dann allerdings an einen jungen, sehr dienstbeflissenen Zöllner, der während der Ausbildung gerade in der Woche gefehlt haben muss, als die Fächer Geduld und Freundlichkeit auf seinem Dienstplan standen. Die undefiniert wedelnden Handbewegungen von ihm deuteten wir brav, dass wir vor ein Röntgengerät fahren sollten, was den ganzen PKW durchleuchten würde.
Da standen wir nun und erst mal tat sich gar nichts.
Dann wurden wir barsch auf unseren Fehler mit erneut wedelnden Handbewegungen hingewiesen, dass wir so gut wie nichts richtig gemacht hätten und seine „Wedelungen“ ab nun gefälligst richtig zu verstehen hätten, denn 10m daneben wäre unser Platz gewesen. Junge ja…ich war zweites Auto und dachte mir „das wird ja heiter!“
Gottlob kam dann ein zweiter, etwas älterer Zöllner dazu, der sowohl durch seine Krawatte, wie durch sein Auftreten eine gewisse Seriosität und Freundlichkeit ausstrahlte.
Sabine wurde dann zugegebenermaßen zügig kontrolliert und mit den Worten „You have to go“ auf die Reise geschickt. Ich zog dann brav nach Richtung Kontrollpunkt vor, wobei jüngerer auf mich zugestürmt kam und mir wütend zu zischte „youuuuu haaaaave tooooo goooooo!“
Meine Freude gepaart mit unterwürfiger Verwunderung war nur von kurzer Dauer, denn im selben Augenblick wies der Ältere mich an, doch zur Kontrolle zu erscheinen.
Der übernahm dann das Ruder auch bei mir und auch hier ging alles recht problemlos von Statten.
Fazit: Kontrolle völlig OK, Freundlichkeit und klare Handzeichen sollten einzelne zur Nachschulung.
Sei´s drum, so begrüßte und Georgien um 00.00 mit Dunkelheit und strömenden Regen,
Unser Übernachtungsplatz verdient keine Erwähnung, er war schief, nass und hatte alle Merkmale eines Platzes, der eben nur ein paar Stunden Schlaf bieten soll.
Mit Augenringen, vollem Tank und einem Kaffee in einem der zahllosen Kaffeebuden am Rande der Straße warfen wir uns dann am nächsten Morgen in den Verkehrsgetümmel von BATUMI.
Seit einem Jahr verlangt der georgische Staat von jedem, der mit eigenem Fahrzeug einreist, den Nachweis einer Versicherung, die in GEORGIEN abgeschlossen wird. Das kann man online vorab machen oder an der Grenze direkt. Jedenfalls wird es angeblich überwacht.
Man neigt ja dazu, alles war nicht wirklich vor Ort kontrolliert wird, gerne zu umgehen. Ich rate hier allerdings dringend davon ab!
Wer die Fahrzeuge sieht, die in GEORGIEN teilweise fahren und dazu die komplett fehlende Fahrdisziplin, kann sich lebhaft den Cocktail vorstellen, der sich daraus ergibt.
So erreichen wir auf dem Weg nach CHONI die Küstenstadt POTI, wo wir alles bekommen, was unser Überleben die nächsten Tage sichert. Eine besondere Erwähnung soll die Dame aus dem Telefonshop bekommen, die in rasender Geschwindigkeit die spottbillige 8GB SIM Karte installierte und freischaltete.
Der Tag neigt sich und wegen der Eindrücke und dem Schlafmangel der letzten Stunden beschließen wir am Nachmittag schon einen Platz am Strand zu suchen, auf dem wir auch die Nacht verbringen wollen.
Der Platz ist himmlisch! Wir parken direkt am Sandstrand und die Wellen rollen bis 30m vor das Auto.
Mit diesem Geräusch schlaffe ich dann selig ein, um dann gegen 23:30 von einer Polizeisirene mit Blaulicht, die von einem Polizei Pickup stammt, der sich zwischen uns geschoben hat und nun Sabine und dann mich weckt.
Ein für die Tageszeit erstaunlich gut gelaunter Polizist erklärt uns, dann es hier sehr gefährlich ist, er für unsere Sicherheit nicht garantieren kann und wir ihm bitte auf einen Hotelparkplatz folgen möchten, der bewacht wäre. „No Money“ versichert er uns dabei immer wieder mantrahaft.
So werden wir mitten in der Nacht mit Blaulicht dorthin eskortiert und müssen feststellen, dass es auch ein anderes Pärchen aus Schweinfurt getroffen hat.
Alles also sehr fürsorglich!...bis jetzt!
Zu unser aller Erstaunen, klopf dann am Morgen jemand an unsere Autos und verlangt Geld für den „Stellplatz“. Prima Geschäftsmodell!...
20 Lari ärmer, aber eine Top Story im Gepäck geht es dann auf sehr abenteuerlichen Straßen mit teilweise stark suizidgefährdeten Verkehrsteilnehmern weiter Richtung CHONI.
Unterwegs trifft es uns dann wieder. Eine Streife überholt mich mit Blaulicht und setzt sich hinter Sabine. Die fährt rechts ran und wird erst mal im Unklaren gelassen, was nun eigentlich ist. Stattdessen kommt der Polizist zu mir an die geöffnete Scheibe, versichert mir, dass ich alles richtig gemacht habe, nur Sabine eine Haltemarkierung missachtet hat. Ich bin mir sicher, dass wir die letzten Kilometer nichts dergleichen hatten und hoffe noch, dass man (schließlich soll Georgien ja einen Ruf als Tourismusziel bekommen!) es bei einer Verwarnung mit Erinnerungsfotos vor den Autos belässt.
Diese Hoffnung zerschlägt sich dann, als man ihr freundlich ein Ticket über 50 Lari überreicht.
Damit jedoch nicht genug: Um die Frechheit dann noch Gipfeln zu lassen, werden noch diverse Fotos von Sabines sehr außergewöhnlichen Hund gemacht.
Liebes GEORGIEN! Du hast eine tolle Landschaft und reizende Einwohner! Wenn Du Dir aber in der Welt einen guten Ruf als Reiseland machen möchtest, dann kannst Du nicht ernsthaft Touristen wegen einer missachteten Haltemarkierung bestrafen und gleichzeitig einheimische Autos am Verkehr teilnehmen lassen, die Verkehrsregeln nicht mal kennen.
Ich erkläre Dir mal, wie das geht: In ST. PETERSBURG (RUSSLAND) bin ich mit dem Motorrad über eine rote Ampel gefahren. An der nächsten Ampel wurde ich rausgezogen und zwei Polizisten erklärten mir, dass auch in Russland rote Ampeln zum Halten nötigen sollen…und mir dann mit Handschlag eine gute Fahrt zu wünschen.
Unsere Kontakte zur hiesigen Polizei wurden dann weniger, aber die zur Bevölkerung mehr. Wie?...Später, denn FORTSETZUNG FOLGT!

 

Fotos 7.+8.+9.10.2019

ANATOLISCHE HOCHEBENE und die (vorerst) letzten Tage in der TÜRKEI

4.10.- 6.10.2019
Die Sonne brennt mir mit 28°C in den Nacken! Ich sitze auf einer Kuppe nahe der georgischen Stadt CHONI und blicke auf eine Tiefebene vor mir, die mediterranen Charakter hat.
Die letzten Tage waren sehr ereignisreich, deshalb setze ich mich mal wieder an den Rechner und arbeite sie auf, auch, damit sie für mich nicht in Vergessenheit geraten.
Die zwei Tage Fahrt durch die riesige, anatolische Hochebene, waren bisher das beeindruckteste, was die Natur in der Türkei für mich zu bieten hatte. Sicherlich, das SCHWARZE MEER mit den unterschiedlichen Nuancen der Besiedelung an der Küste und die auch dort laufend wechselnden Landschaftsbilder waren schön, aber die endlose Weite dieser Steppe hat mich fast ehrfürchtig werden lassen.
Es sind extrem schroffe, steile und felsige Formationen, an denen man den ganzen Tag vorbei fährt und der ausnehmend geringe Verkehr, macht das Trödeln wunderbar stressfrei. Ich ertappe mich einmal bei dem Gedanken: "Gut, dass das hier alles so weit von Europa und Deutschland entfernt ist, sonst würden einem auch hier die Motorradfahrer an der Stoßstange kleben, um am Abend bei ihren Zusammenkünften zwar von vielen Kurven, aber nicht von Landschaft berichten zu können!"
So zieht zwei Tage eine Landschaft aus Stauseen, unzähligen Tunneln, mikroskopisch kleinen Ansiedlungen und einem Übernachtungsplatz auf 2130 an mir vorüber, die es mit jeder Naturdoku im TV aufnehmen kann.
Mein Ziel ist die Stadt HOPA nahe der georgischen Grenze, wo ich mich mit Sabine treffen möchte, um zusammen den Grenzübertritt zu machen und dann vielleicht noch ein paar Tage gemeinsam in GEORGIEN zu reisen. So der Plan! Nur hat Sabine ein Handyproblem und kann mir nur sporadisch ihre Position und ihr Eintreffen am Rendezvous-Punkt mitteilen. So bin ich 6 Stunden vor ihr in HOPA und suche einen Treffpunkt am Ausgang der Stadt Richtung Grenze Georgien.
Dieser ist schnell mit einer kleinen "Ausschleifung" neben der 2- spurigen Hauptfahrbahn gefunden, von dem aus die Grenze nur noch 14km entfernt ist. Bingo! Gut gelaufen...und während ich das Auto aufräume - man will ja einen ordentlichen Eindruck machen - bildet sich in rasender Geschwindigkeit ein Rückstau auf der LKW Spur, der mich schlichtweg auf meiner Ausschleifung festnagelt. Meine Hoffnung, dass ich Träume und sich alles bald wieder buchstäblich in Luft auflösen wird, zerschlägt sich jäh, als die ersten LKW Fahrer anfangen, ihre Staufächer zu öffnen, um sich eine Mittagessen zu kochen. Wahnsinn!
Vor meinem geistigen Auge spielen sich dramatische Szenen ab. Sabine, die mich immer noch über ihr Eintreffen im Unklaren lässt, hat weder eine Möglichkeit mich zu erreichen, geschwiege denn mich vor lauter LKWs zu sehen und rauscht beschwingt, die letzten Meter bald geschafft zu haben, schlichtweg an mir vorbei.
Es beruhigt mich dann auch nicht unbedingt, als ein Fahrer mir kauend berichtet, dass dieser Stau sich erst am nächsten Morgen auflösen wird, so lange ist die Grenze für LKW dicht.
Nochmal Wahnsinn!
So ist es wahrscheinlich der sprichwörtlichen, türkischen Gastfreundschaft, aber sicherlich auch meinem recht ratlosen Ausdruck zu verdanken, dass mich einer der Fahrer wedelnd zu sich winkt und darauf besteht, dass ich jetzt seiner Essenszubereitung beiwohne und hinter das Ergebnis natürlich auch verkosten soll.
ORHAN heißt die grandiose Frohnatur und GÜNES, sein Kollege aus dem LKW hinter ihm, gesellt sich dazu.
Das Gespräch nimmt mit der landestypischen Frage nach Frau und Kind Fahrt auf und es fällt mir schwer ihnen zu erklären, dass ich mit beidem leider nicht dienen kann. Diese kurze Phase der Irritation überbrücke ich geschickt mit der Gegenfrage (die übrigens erwartet wird, man wäre sonst unhöflich!) und ich, das geborene Kommunikationsgenie setze noch einen mit der Frage nach Bilder von der Familie drauf! Stolz wird alles gezeigt und berichtet und wir verbringen einen wunderbar kurzweiligen Nachmittag (3,5 Stunden) an der geöffneten Staufachklappe bei Hühnerbeinen, Reis und dem leckeren, türkischen schwarzen Tee, der fast an die Qualität des Ostfriesentees herankommt! (Lokalpatriotismus sein hier erlaubt.)
Am Abend kommt dann plötzlich Bewegung in den Stau, alles wird hektisch, Motoren heulen auf, Federspeicher werden gefüllt, Abfälle in den Straßengraben geworfen und hastig Staufachklappen geschlossen. Es scheint ein Stück voran zu gehen. Man sichert mir zu, eine Lücke zur Ausfahrt zu lassen und dann heißt es schon Abschied nehmen. Ich habe zwei neue Freunde gewonnen und sie einen "Bruder". Ich bin sehr dankbar für diese Momente, bringen sie mir doch die so ferne, türkische Seele immer ein Stückchen näher!
Das Treffen mit Sabine, die einen Wetterumschwung mit einem unwetterartigen Gewitter im Schlepptau hat, klappt dann auch und nach einem gemeinsamen Kaffee beschließen wir, noch in der Nacht die Grenze nach Georgien zu passieren und uns erst jenseits einen Übernachtungsplatz zu suchen.
Ob das klappt und wie uns GEORGIEN empfängt, ist dann ein neuer Bericht, denn FORSETZUNG FOLGT!

 

Fotos 4.+5.+6.10.2019

Auf der ANATOLISCHEN HOCHEBENE hinter Ankara

3.10.2019, an Ingos 9. Geburtstag!

Ich muss vorgreifen, sonst gehen mir die aktuellen Ereignisse verloren, über meinen "Disput" mit der Türkei und wie er ausging, reiche ich nach.
Ein böiger Wind, wie ich ihn nur aus meiner ostfriesischen Heimat kenne, pfeift mir um die Ohren, nur das dieser hier heiß ist und genau so etwas braucht der moderne, fahrende Hausmann von heute, denn gestern war bei mir Waschtag.
Lange habe ich ihn hinausgezögert, das Salzwasser des Schwarzen Meeres sollte es nicht unbedingt sein, also habe ich einen der unzähligen Brunnen am Wegesrand schlichtweg zum Waschsalon ernannt und für die große Wäsche zweckentfremdet.
Das war dann gar nicht so einfach, denn einen Brunnen im Ort wollte ich nicht nehmen, was sicherlich und berechtigterweise zu "Irritationen" der Dorfbevölkerung geführt hätte. Die Brunnen im Ort sind auch morgens von den Einheimischen belagert, die autoweise Flaschen und Behältnisse füllen, um wahrscheinlich den Tag über die Runden zu kommen.
Also einer außer Orts, was mir dann auch aus Gründen der Geheimhaltung lieber war, denn ein Waschsalon der richtigen Art wäre natürlich ökologisch korrekter gewesen, aber die Gegend ist arm und kann mit so etwas leider nicht aufwarten.
Also, sich immer wieder scheu umschauend, schwenke und wringe ich, was das Zeug hält und tatsächlich kommt ein früher Vogel in Form eines Traktors, der sich mehr für mein Auto als für meine Verrichtungen interessiert. Freundlich gegrüßt-freundlich zurückgegrüßt und weiter wird gewrungen.
Nun fahre ich schon seit einem Tag die fast patschnasse Wäsche mit mir umher...das bisschen abtropfen gestern Abend hat es nicht gebracht...und daher stand der Entschluss, mein Tagespensum so einzudampfen, dass ich Mittags nach ANKARA etwas suche, wo meine Unterhosen und weniger Ärgernis erregendes munter im Wind flattern können.
Die Landschaft wird zu meiner Freude karger und die Berge höher und nachdem ich die Trabantenvorstädte von ANKARA lange hinter mir gelassen habe, erinnert außer meiner Straße nun gar nichts mehr an Menschen, also Blinker rechts und dem staubigen Weg bergauf gefolgt.
Landschaft, soweit das Auge reicht! Ich kann mein Glück kaum fassen.
Ein Platz in Nähe eines Baumes (Jahaaaaa! für das zweite Ende der Wäscheleine) ist schnell gefunden, Auto mit Reep Schnur am Baum festgebunden und drauf mit den nassen Klamotten.
Keine 20 Minuten später ist die Hausarbeit erledigt und ein freudiges Ereignis steht an. Ingo, der heute seinen 9. Geburtstag feiert, bekommt nun endlich seine auf der Fahrt schon großspurig angekündigte Extraration Nassfutter.
Und während er schlabbert und mit mäßiger Begeisterung sein Geschenkt vertilgt, höre ich irgendwo Schafe! Super...steht man an einem Gewässer, kommen Angler...steht man irgendwo anders, kommen Schafe.
Um das gleich klarzustellen: Ich habe NICHTS gegen Schafe, bloß die kommen gewöhnlich nicht allein, sondern habe mehr oder weniger blutrünstige Hütehunde im Schlepptau, mit denen so gaaaaaar nicht zu spaßen ist. Doch zu meiner Verwunderung sehe ich an die 300 Schafe, den dazugehörigen Hirten und keine Hunde. Na dann will ich doch mal sehen, wer da meine Hausarbeit stört.
So mache ich mich auf den Weg zu dem Hirten, der mein Vorhaben erkennt und den Tross anhalten lässt.
Wir reden sehr angeregt über dies und das, wobei ich keinen Schimmer habe, worüber eigentlich, denn er spricht so ganz anders. Nicht, dass ich Türkisch verstehen würde, aber das ist es eben nicht.
"Ben Achmed" (Name ist aufgrund seiner Herkunft verfälscht!) lüftet dann mit Händen und Füssen das Geheimnis: Er ist Afghane, ausgebombt aus einem Dorf bei Kabul, der eine Odyssee über Turkmenistan bis in die Türkei hinter sich hat und nun hier seinen Unterhalt mit Schafe hüten bestreitet.
Der Junge hat echt es erlebt...mit seinen 20 Jahren(!!!), wie wohl seine Kindheit ausgesehen hat, um die man ihn beraubte?
Ich bin richtig stolz so jemanden zu begegnen, von denen mal nur immer hört...und leide oft nichts Gutes.
So schenke ich ihm ein Multitool (von denen ich einen Schwung für solche Gelegenheiten dabei habe) und drücke ihm noch etwas Geld in die Hand. Er ist sehr verunsichert, als er aber versteht, dass ich ihm das schenken möchte, freut er sich sehr!
Naja und beim Gehen sage ich dann voller Hochachtung, dass ich es sehr "tough" finden würde, diese Menge Schafe allein im Griff zu haben! Wieso "Allein"? Er hätte 6 Hunde, die nur irgendwo schlafen würden. Und um mir den Beweis zu liefern, pfeift er kurz und drei dieser 60kg schweren Bestien kommen mit nach außen gedrehten Stacheln am Halsband, wie auf Bestellung und beginnen gleich ihren Unmut zu äußern, als sie mich (und meinen Hund) sehen.
Ich bitte Achmed mir 5 Minuten Vorsprung zu gewähren und verabschiede mich von ihm!
Leider...und leider kann ich seine Sprache nicht, denn ich hätte seine Geschichte gerne gehört.
So segelt Ingo im hohen Bogen in den Landcruiser und ich peile die Lage. Die Hunde haben nun auch das Auto entdeckt und denken nicht daran zu folgen, sondern inspizieren erst man, was dort wohl steht. Da alles Rüden waren, kann man sich vorstellen, wie dieses "Inspizieren" von Statten ging.
Aber sie machen einen entspannten Eindruck und legen sich 30 Meter vom Auto entfernt unter einen Baum und Dösen in meine Richtung.
Es ist ein Bild, wie ich Afrikas Savanne, nur das dort keine Löwen sondern Hundekälber liegen. Das Foto will ich aber haben und...um bei dem Vergleich zu bleiben...wie die Tochter von DAKTARI mache ich mich mit Kamera langsam auf den Weg zu ihnen. Klick...keine Reaktion!
Der Schäfer zieht dann weiter zur Tränke ins Tal und sie folgen ihm mit Abstand nach.
Ich lese mich dann schlau und erfahre, dass es eine sehr landestypische Hütehunde Rasse ist (Kangal), die sogar geschützt ist und deren Aufgabe es ist, Herden gegen Wölfe und Bären zu verteidigen.
Ja das glaube ich sofort!
...es steht auch, dass sie sehr selbstständig arbeiten und manchmal einen ganzen Tag losgelöst vom Schäfer, hüten...und auch dann entscheiden, wie gefährlich sie eine Situation einschätzen.
Genau diesen Bericht muss auch einer der Hunde gelesen haben, denn nach einer Stunde taucht er wieder auf, um mich wieder unter dem Baum liegend zu beobachten.
Tolle Wurst...INGO wieder im Tiefflug ins Auto und ich muss halt warten.
Das wird ihm dann nach einer halben Stunde zu blöde und er trollt sich.
So wird es langsam Abend bei mir, es wird frisch und ich ziehe mir eine leichte Jacke über, sehr glücklich darüber, diese Begegnung gehabt zu haben.
Fortsetzung folgt!

Fotos 1./2./3.10.2019

Straßenhunde

1.10.2019

...Unzählige habe ich auf meiner Reise gesehen!
Sie sind es wert, dass ich ihnen heute einen extra Post widme...Straßenhunde.
Diese bemitleidenswerten Kreaturen, ausgestoßen und abgelehnt von den Menschen, vegetieren sie vor sich hin, getreten, misshandelt und allein gelassen.
Und gerade die Nähe zu diesen Menschen suchen diese Tiere, dankbar für jedes bisschen Futter, was man ihnen ohne Beachtung vorwirft und glücklich über jeden Körperkontakt, den sie erhaschen können.
...und wenn sie dann allein und einsam irgendwo sterben müssen, nach einem von uns gebilligten Überlebenskampf ohne eine Hand, die sie liebevoll und zärtlich in den letzten Stunden, Minuten ihres Lebens hält, dann schäme ich dafür!
Ihnen möchte ich hier und heute ein Gesicht und eine Stimme geben!

 

Irgendwo an einem Strand nahe PRIMORSKO / SCHWARZES MEER

28.9.2019

Was gibt es beruhigenderes, als einfach nur auf das Wasser schauen und den Wellen zusehen, wie sie wieder und wieder mit Getöse an den Strand rollen und jedes Mal die Welt unter ihnen für uns Menschen kaum wahrgenommen, ein kleines bisschen verändern.

Meine Reise setzt sich fort! Ich habe mich allem gestellt, was mir die letzten Tage zuwider lief und bin zu dem Entschluss gekommen, dass meine Situation privilegiert und meine Neugierde auf das was kommen wird, zu groß ist, um einen Rückzug auf Raten zu machen.

So sitze ich hier an einem wunderbaren Sandstrand, von dem ich mich seit zwei Tagen nicht lösen kann und bringe meine Gedanken und die Ereignisse der letzten drei Tage zu Papier.

Mein "Dicker" ist inzwischen wieder repariert und leistet treu und ohne Murren seine Dienste.

Schadensauflistung:

     Überhitztes Motorkühlsystem

     Ausfall der Klimaanlage (zeitgleich mit oben!)

     ABS und Traktionskontrolle ausgefallen

Nicht gerade Peanuts als Aufgabe stellte ich dem TOYOTA SERVICE in PLOWDIW, aber vorab allergrößten Respekt und Lob für ihre Mühen!

Der erste komplette Vormittag ging mit der Schadensanalyse Motorkühlung drauf. Wahrscheinlich eine Luftblase im Kühlsystem, die nach dem Kühlerwechsel kurz vor Antritt der Reise, nicht entwichen ist. Die halbe Belegschaft stand phasenweise um mein Auto, weil die Symptome so ungewöhnlich und der Landcruiser Motor so robust ist, dass man sich auf alles keinen Reim machen konnte. Jedenfalls stand der Ausfall der Klimaanlage im Zusammenhang mit der Kühlung, das sich über Temperaturfühler Werte aus dem Kühlsystem holt..

Am nächsten Tag war dann der ABS Sensor dran, der nur einen schnöden Kabelbruch vorzuweisen hatte. Die Kontroll-Lampe leuchtet zwar immer noch, aber das soll angeblich Staub sein, von meiner letzten Überlandfahrt, was plausibel ist, denn danach ging sie an.

Da selbst der Mann ist, baue ich den die nächsten Tage aus und reinige ihn. All die Christbaumbeleuchtung hat keinen Einfluss auf den Rest und daher sehe ich das inzwischen mit einer guten Portion Gelassenheit.

Die Reise wirkt langsam!

So habe ich dann die Kulturhauptstadt 2019, die ich ab nun eher mit Toyota in Verbindung bringe, am Mittag bei sengender Sonne, normal warmen Motor und kühlem Innenraum hinter mir gelassen und bin durch eine steppenähnliche Landschaft Richtung SCHWARZES MEER und türkische Grenze gefahren, wo ich traumhafte, menschenleere Strände vorgefunden habe, die es nicht verdient hätten, einfach links liegen gelassen zu werden.

Also blieb ich ein paar Tage und schaute einfach nur raus aufs Meer.

Eine Erwähnung sollen noch die Angler finden, deren Gepflogenheiten ich gründlich studieren konnte, denn ihr Weg zu ihrem persönlichen Top Platz auf dem Kap, führte direkt über den Feldweg, an dem ich mein bescheidenes Lager aufgeschlagen hatte und von dem ich vermutete, dass es ein absoluter Geheimtipp jenseits der Zivilisation sein würde.

So kann man sich täuschen! Die ambitioniertesten von allen klapperten schon um 05.00 in der Nacht an mir vorbei. Unglücklicherweise befand sich nach meinem Auto eine riesige Pfütze im Weg, vor der man deutlich bremsen, um sie dann im Schritt zu Durchfahren damit dann wieder so richtig Gas gegeben werden kann dem sicheren Petri Glück entgegen.

Die müssen sich dann mit Stirnlampe auf den mühsamen Abstieg gemacht haben! Als dann die letzten Langschläfer und weniger verbissenen Mitglieder der Anglerzunft gegen 09:00 durch waren, stelle sich der nötige Frieden ein.

...bis alle wieder schwer beladen heim mussten am Abend und jedes mal freundlich grüßend wieder an mir vorbeiklapperten.

Morgen spätestens Übermorgen verlasse ich dann Richtung Türkei die EU, aber davon dann mehr, wenn die

FORTSETZUNG FOLGT!

26./27./28./29./30.09.2019

24.09.19 „Zweifel und Technik-Probleme“

Seit ich vor ein paar Tagen das Kloster in SIEBENBÜRGEN verlassen habe, will irgendwie keine Stimmung aufkommen. Zudem habe ich den Eindruck, dass nichts mehr rund läuft und der „Fluss“ abhanden gekommen ist. Sollte es tatsächlich so sein, dass ich zu früh meinen Abschied dort vollzogen habe? Hätte ich dem Drängen meiner Gastgeber nachgeben sollen, doch noch ein paar Tage zu bleiben? Ich wollte einfach nicht den Eindruck entstehen lassen, ich würde die Gastfreundschaft ausnutzen. War ich mir da mal wieder selbst im Weg? All das geistert mir seit ein paar Tagen im Kopf herum.

Aber lamentieren bringt nicht viel und so fahre ich durch eine bulgarische Landschaft, die eigentlich sehr lieblich ist, wären da nicht immer wieder dieser Müll und die Siedlungen, die Randbereiche haben, die an Slums in Kalkutta erinnern. Es fällt mir schwer, mich an diesen Anblick zu gewöhnen, auch, weil ich an die Menschen und ihre Schicksale denken muss, die teilweise hinter Bretterverschlägen hausen.

Mein Ziel ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens PLOWDIW, die dieses Jahr sogar Weltkulturhauptstadt ist und deren gebirgiges Umland anscheinend sehr reizvoll sein soll (was auch stimmt!).

Ca. 50 Kilometer vor PLOWDIW passiert es dann. Die Motortemperaturanzeige steigt langsam aber stetig an und nähert sich nach ein paar Minuten bedenklich dem roten Bereich. Nun gibt es diesen Typus Mensch, der immer und in jeder Lage…am besten noch ohne selbst vor Ort zu sein…mit wahnsinnig klugen Ratschlägen und Lebensweisheiten daherkommt. Diese Spezies wird nun den Zeigefinger in die Höhe recken und mit hochgezogenen Augenbrauen bemerken, dass man doch in so einer Situation SOFORT rechts ranfährt, um die Lage zu checken.

Hätte ich auch gerne, aber ich befinde mich auf einer zweispurigen Fernverkehrsstraße, wo in der Regel so nah aufgefahren wird, dass man das Kennzeichen des Nachfolgenden nicht mehr erkennen kann und Überholmanöver erst dann ausgeführt werden, wenn der Gegenverkehr auch sicher in Lebensgefahr gerät.

Ich hatte also die Wahl zwischen einen Motorschaden oder einen Totalschaden mit Krankenhausaufenthalt.

Als endlich eine provisorische Haltebucht kommt, die hier in der Regel so klein sind, dass man am liebsten auf der Beifahrerseite aussteigen würde, ziehe ich rechts raus. Gerade noch rechtzeitig…

 

Motor aus, Haube auf, Lage checken.

 

Erst jetzt bemerke ich, dass die Innenraumluft die eines Brutkastens erreicht hat, was mir vorher mit dem ganzen heißen Motor völlig entgangen ist. Ich sollte Lotto spielen, denn scheinbar sind Klimaanlage und Kühlwasserkreislauf zusammen den Bach runter.

Da ich alles, was mit Motorkühlung (incl. Kühler) zu tun hat, vorausschauend vor Abreise noch erneuert habe, ist mir alles ein Rätsel, zumal auch im Motor nichts auf einen Defekt hindeutet.

So schleppe ich mich dann, immer wieder ein paar Kilometer fahrend, dann Motor abkühlen lassen zu einer Tankstelle, um nach einer Werkstatt besser noch einem Toyota Händler zu fragen. Glück! In PLOWDIW gibt es einen, aber der hat zu, da eh ein Feiertag ist. Gerade noch da, ist es schwupp schon wieder weg, das Glück.

Gut! Also die Prozedur mit Fahren und Abkühlen lassen, in der ich inzwischen einen internationalen Titel habe, wieder gemacht und erst mal einen Übernachtungsplatz in Stadtnähe gesucht.

Mit einem mehr oder weniger kaputten Auto kann man nicht wählerisch sein und so finde ich einen Platz, der sich weniger durch seine Schönheit, sondern eher durch Mückenschwärme auszeichnet, die allesamt des bulgarischen Blutes überdrüssig waren und nur meines haben wollten.

Und als ich dann endlich im Schlafsack liege und alles was Flügel hat gnadenlos getötet habe, kommen sie dann…die Zweifel gepaart mit einer Traurigkeit, die alles in Frage stellt, was man die letzten Wochen so gemacht und erlebt habe.

Man liegt dort alleine und muss alle Ungerechtigkeiten der Welt, die einem gerade Widerfahren, mit sich alleine ausmachen. Und je länger man erträgt, desto größer wird der Wunsch einfach umzudrehen und nach ein paar Tagen daheim anzukommen und zu sagen: „ Es war alles ein Irrtum! Da bin ich wieder!“

Und das letzte, was ich höre, ist der Hund, der friedlich neben mir atmet und dem nur eines wichtig ist: Die Nähe zu mir!...und dann schlafe auch ich ein.

 

Welche Richtung ich dann am nächsten Morgen das Navigationsgerät programmiere, gibt es in der Fortsetzung, denn die folgt! 

20./21./22.09.2019


19.09.19 TRANSALPINA Richtung bulgarische Grenze

Die Nacht auf dem Pass war sehr kalt!

Morgens um 06:00 zeigte das Außenthermometer nur noch 0.6 Grad und zu allem Elend versagte meine Standheizung gerade dann Ihren Dienst. Da der Winterschlafsack gerade unten drin völlig unerreichbar war und ich nur im leichten Fleece-Sommerschlafsack lag, kramte ich den durch Zufall in Reichweite befindlichen Biwaksack heraus und zog mir den um 03:00 in der Nacht noch zusätzlich drüber.

So lag ich dann wohl behütet und jeder Everest Expeditionär hätte ehrfurchtsvoll den Hut vor mir gezogen.

Wie überall, wo Schatten ist, ist im wahrsten Sinne auch Licht, denn Eingekuschelt im Schlafsack liegen bleiben war dann nicht mehr und das ist gut so, denn sonst hätte ich den unbeschreiblichen Sonnenaufgang auf 2000m sicherlich verkuschelt.

Die Weiterfahrt vom Pass hinunter in das Tal war dann mit Abstand das Hightlight des Tages. Um 08:00 Morgens war noch niemand unterwegs, der es unglaublich eilig hat und so konnte ich mir alle Zeit der Welt lassen und ruhig zu Tal trödeln, um aufzusaugen, was ich zu sehen bekam.

Mein Tagesziel war die rumänische Stadt GIURGIU nahe der bulgarischen Grenze, wo ich dann übernachten wollte, um am nächsten Tag zeitig den Grenzübertritt zu machen.

Der Weg dorthin, war so mit das übelste, was ich bisher in Rumänien erlebt habe.

Die Nationalstraße 7 Richtung Bukarest ist eine einzige Aneinanderreihung von PKW und LKW, jede Haltemöglichkeit ist zugemüllt und bemitleidenswerte Hundekreaturen teilweise mit Welpen, die ich am liebsten alle mitgenommen hätte,  versuchen in dem Müll Ihr Überleben zu sichern.

Ich habe mich lange nicht mehr so unwohl gefühlt!

So gehe ich nicht weiter auf diesen Tag ein, denn er ist keine Erwähnung wert und denke lieber an die schönen Begebenheiten in den Bergen.

Der Übernachtungsplatz am Abend reihte sich dann nahtlos in den Tag ein…er war einfach nur ein Übernachtungsplatz am Rande einer staubigen Straße, die einen regen Schafverkehr zu bieten hatte, die dann alles noch staubiger machten.

Es sollte dann am nächsten Tag aber besser kommen, denn BULGARIEN stellte einen Kontrast dar.

 

Aber dazu dann mehr, wenn die Fortsetzung folgt!

  


18.09.19 Abfahrt „Siebenbürgen“ und Zufahrt TRANSALPINA

„Besuch ist wie Fisch! Nach drei Tagen stinkt er und muss weg!...“pflegte mein alter Chef Alexander von Kleist-Schön immer zu sagen. Nun diesen Zustand hatte ich inzwischen übersprungen und befand mich in dem Aggregatzustand „gasförmig“, deshalb war nun für alle schweren Herzens die Zeit gekommen, mich aus und in dem Kloster zu verabschieden. Es war nicht nur eine schöne, sondern auch eine lehrreiche Zeit einmal so hinter die Kulissen des Klosteralltages zu schauen und ich möchte mich auf diesem Wege bei Schwester Justina und ihren Mitschwestern für ihre Gastfreundschaft bedanken!

Am Morgen nach der Andacht wurde mir eröffnet, dass ich aber noch eine kleine Wegzehrung mitzunehmen hätte. Sehr gerne!...aber bitte daran denken, dass mein Platz trotz PKW doch begrenzt ist! Ich wusste sehr wohl, warum ich das so sagte, denn hätte ich es einfach auf mich zukommen lassen, wäre meine Reisekasse durch die Anschaffung eines Anhängers, den ich dann nämlich benötigt hätte, arg in Mitleidenschaft gezogen worden. So waren es immerhin „nur“ drei prall gefüllte Plastiktüten, mit denen ich durch das Klostertor schritt und die nun ihren Weg in nur jede erdenkliche Packlücke fanden.

So verabschiedeten wir uns alle schweren Herzens von einander und gelobten ein Wiedersehen.

 

…denn die TRANSALPINA oder auch 67C bezeichnet rief und ich würde kommen.

 

So hatte ich bewusst den Weg über Land gewählt und die Entscheidung war richtig, denn keines der Dörfer der Zufahrt glich dem anderen und je näher man in Richtung der Berge kam, desto enger duckten sich die Häuser an die Berge, als wollen sie verhindern, dass die Natur mit ihren Gewalten sie findet.

Da ich nun auch Motorradfahrer bin und ich gerade die letzten Jahre meine Fernreisen mit diesem Fortbewegungsmittel gemacht habe, sehe ich zwangsläufig Straßen und Landschaften auch immer durch das Helmvisier des Motorradfahrers. So kann ich doch das Leuchten in der Augen der Biker nachvollziehen, wenn sie von der DN67C schwärmen, wenn auch die atemberaubende Landschaft es nicht verdient hat, im Kurvenrausch als Location benutzt oder gar missbraucht zu werden.

Eine Kehre folgt der anderen und jedes Mal wird der Blick in eine andere Naturkulisse freigegeben. Gottlob haben die Erbauer nicht an Ausweichstellen gespart, die dem Fahrer zum einen die Möglichkeit des Aussteigens gibt und zum anderen fairerweise die Fahrbahn für schnellere freimachen kann.

Es war wohl der Tages- aber auch der Jahreszeit geschuldet, dass der Verkehr recht überschaubar war und so schraubte ich mich gemächlich die Berglandschaft genießend auf die Passhöhe zu, die bei ca. 2132m liegt.

Entgegen dem Zustand sonstiger Straßen (auch Fernstraßen) in Rumänien, ist der der 67C ausgesprochen gut, was daran liegt, dass sie erst 2012 fertiggestellt und geteert wurde. Erbaut 1939 und aus taktischen Gründen im 2. WK provisorisch ausgebaut, fristete sie lange ein Mauerblümchendasein.

Knapp unter dem Pass lag wie geschaffen für die Übernachtung mit einem grandiosen Rundumblick ein Hochplateau. Das sollte meines sein, aber als ich gerade dabei war, mich häuslich einzurichten, rumpelte ein Kastenwagen hinter mir durch, dem zwei einheimische Männer mit Brecheisen und Vorschlaghammer entstiegen. Naja, mit der Ausstattung bleiben die zumindest nicht die Nacht, war mein erster Gedanke. Freundlich grüßend wollten sie zumindest nicht auf mich los, trotzdem begannen sie mit einer stoischen Ruhe den Berg abzutragen. Sei`s drum, als erstes würde ihr Ducato zu Tal rauschen insofern war eine Gewisse Vorwarnzeit gegeben.

Das sollten aber nicht die letzten sein, denn „Kamil“ ein gebürtiger Pole, der in Berlin wohnt, kam mit seinem Motorrad angefahren und fand den Platz ebenso grandios wie ich. Da wir uns über Tag schon zweimal auf der Passstraße begegnet sind und Kamil eine echte Frohnatur ist, entsteht schnell ein Gespräch. Unterbrochen wird das denn durch ein Rumpeln, denn der Helm war durch eine starke Windböe vom Motorrad gerissen worden und die Ehe von Helm und Visier lag nun in Scheidung auf dem Boden.

Was jetzt kommt ist so skurril (und Kamil, der das hier sicherlich lesen wird, möge es mir verzeihen!), dass ich nun noch grinsen muss, wo ich das schreibe. Kamil zerlegt und schraubt an der Visierbefestigung rum und während er sich so plagt, sagt er, dass er mir den Helm wärmstens empfehlen kann. Ich denke voller Hochachtung, der hat Nerven! Es ist gerade durchaus möglich, dass er nun ohne Visier zu Tal muss, aber er gibt mir eben so nebenbei eine eindeutige Kaufempfehlung.

Aber auch wir sollte nicht alleine bleiben, denn 2 Quad Fahrer kommen auf das Plateau und halten auf uns zu. Eine hübsche Rumänin nimmt den Helm ab und im Absteigen ruft sie uns schon zu, dass sie ein Foto mit dem Hund und uns möchte. Im Nachhinein ging es wohl eher um den Hund und sie wollte nur höflich sein, egal…einige Fotos geschossen, noch ein paar Soloaufnahmen vor ihr und schon sausen die beiden wieder ab…was war das denn??

Kamil die echte Frohnatur macht sich dann auch auf den Weg und auch die beiden Gebirgediebe stellen ihre Arbeit ein, laden den Ducato mit Steinen voll und eine pechschwarze Fahne hinter sich her ziehend kriechen sie die letzten Meter zum Pass hoch.

Und so bin ich alleine mit mir, meinem Hund und einer wunderschönen Bergkulisse!

 

…wie es mir dann die Nacht bei eisigen Temperaturen erging und was der nächste Tag so brachte, davon berichte ich dann ein anderes Mal, denn Fortsetzung folgt! 

13.+14.09.2019 Siebenbürgen
Es ist ruhig! Das Leben scheint zum Stillstand gekommen zu sein. Gestern schon hat man Haus und Hof "landfein" gemacht und das emsige Aufräumen, wo ich auch meinen bescheidenen Teil beitragen durfte, bekommt nun einen Sinn.
Es ist Feiertag und in der orthodoxen Kirche dazu auch noch ein besonderer, der Feiertag der "Kreuzerhöhung". Kurz zur Bedeutung: Helena, die Mutter Kaiser Konstantins reiste 326 nach Jerusalem um das "wahre Kreuz" zu finden. Vorangegangene Kaiser hatten zwar versucht die heiligen Stätten durch Zerstörung und Bau eines Tempels zu verschleiern, trotzdem fand man bei Grabungen 3 Kreuze. Weil man nicht wusste, was nun wirklich das Kreuz Jesu war, legte man einen gerade Verstorbenen nacheinander auf die Kreuze und bei einem erwachte er zum Leben.
Der Patriarch von Jerusalem "ERHÖHTE" das Kreuz über sich, um es den Menschen zu zeigen.
Der Gottesdienst am Morgen begann um 07:30, endete aber um 12.00. Er ist Bestandteil eines genauen liturgischen Ablaufs Plans, der viele Gäste und Kirchenbesucher aus dem Umland kommen lässt.
So verlebe ich einen ruhigen Tag, nutze das Bomben Mobilnetz, um alle möglichen Dinge erledigen und schreibe an meinem Tagebuch weiter. Der melodische Singsang dringt, da heute per Lautsprecher nach außen übertragen, bis zu mir hin und beruhigt selbst auf die Entfernung.
Den gestrigen Nachmittag habe ich genutzt, um mir ein paar Ortschaften und "Kirchenburgen" anzuschauen. Eigentlich sollte noch eine ausführliche Hunderunde mit herausspringen, aber das selbst für hier ungewöhnlich und andauernd heiße Wetter und Temperaturen von 30 Grad ließen diese dann etwas kürzer ausfallen.
Naja...auch ein Grund war, dass wir nach schon einer halben Stunde auf ein "Es" gestoßen sind. Wir liefen so dahin und plötzlich bemerkte ich eine massive Bewegung in einem Gebüsch. Da es hier allerlei wildes Getier gibt, wurde erst mal die Lage gepeilt, schließlich will man ja wissen, wer einen gleich auffrisst. Es war nun leider / Gott sei Dank kein Bär, sondern eine der Hausschweine, die man in den Wald wirft, damit sie sich dort gütlich tun. Da aus dem "Einem" nun drei wurden und jede sicherlich in der Gewichtsklasse über 100kg kämpfen würde, beschloss ich doch mal einen anderen Weg auszuprobieren. Vielleicht heute mal den, der zum Auto führt.
Im Nachhinein (und in der Sicherheit meiner Bleibe) möchte ich mich in aller Form bei Rumänien beschweren! Wieder keinen Bär! Gestern die Sauen und vor zwei Jahren in den KARPARTEN, wo ich das Zelt dabei hatte, zwei Pferde, die mich nächstens besuchten. So geht man nicht mit Touristen um!
Der Besuch einiger Kirchenburgen, die gegen die Türkeneinfälle Mitte des 15 Jahrhunderts gebaut wurden und in die bei Bedrohung Mensch und Tier Zuflucht fanden, machten dann aber vieles Wett.
Es gibt 150 Stück von denen in Siebenbürgen, aber viele hat man dem Verfall Preis gegeben oder schlichtweg als Baumaterial missbraucht. Einige wenige wurden die letzten Jahre sehr liebevoll restauriert und gehören inzwischen zum UNESCO Welterbe.
Fortsetzung folgt!

 

12.09.2019  Ein Kloster irgendwo in Siebenbürgen

Vorweg: Man hat mich heute gebeten, die Identität und den Ort des Klosters nicht Preis zu geben.

Man möchte sich nicht dem Hype des Social Media verkaufen und selbstverständlich repektiere ich als Gast diesen Wunsch. So versuche ich alles wegzulassen, was Rückschlüsse zulassen würde.

Das bedeutet natürlich auch, dass es keine Fotos von hier geben wird. Ich begnüge mich mit den Bildern eines munteren Roma Quintetts, was heute hier auf dem Gelände herumgewurschtelt hat.

Ich habe sehr gut geschlafen! Sicherlich ist das zum einen der Tatsache geschuldet, dass ich mich mit meinem rollenden Hilten Hotel wohl behütet zwischen der ersten und der zweiten Ringmauer befinde. Aber auch, weil die Malzeiten, die mir hier gebracht werden, so reichlich sind, dass ich mir jedes Mal was für schlechte Zeiten bzw. den nächsten Tag zurücklege. Das hat wiederum ein stetiges Füllen meiner Kühlbox zur Folge. Es gibt übrigens nur Dinge, die hier angebaut werden. Aus religiösen Gründen KEIN Fleisch, was meinem privaten Speiseplan sehr nahekommt. Ich habe hier Tomaten gegessen, die zwar keinen Schönheitswettbewerb gewinnen würden, aber so was von natürlich schmecken, wie ich es kaum beschreiben kann.

Um 07:00 Ortszeit geht die Glocke und ruft zum Gottesdienst. Schon vor zwei Jahren, als ich hier witterungsbedingtes Asyl bekommen habe, wies man mich freundlich darauf hin, dass man sich freuen würde, wenn ich als Gast an dem religiösen „Tagesgeschäft“ teilnehmen würde.

Es ist wieder relativ frisch und so mache ich mich mit Ingo und hochgeschlagener Kapuze auf den Weg und reihe mich schweigend in die Gruppe der Dahinschreitenden ein.

Der Gottesdienst ist nicht mit den Unsrigen zu vergleichen. Man kommt und geht, wie es einem der Sinn ist und wie die Verrichtungen der Bewohner es hier erfordern. Jeder hat seine ihm zugeteilte Aufgabe. Alles läuft sehr geordnet und leise, fast wie in einem Bienenstock ab.

Nach einem gemeinsamen Frühstück werde ich in meine Arbeit eingewiesen. Ich hatte dieses Mal großspurig angekündigt, dass ich gerne irgendwelche Arbeiten machen würde, um mich damit für die Gastfreundschaft der letzten Jahre zu bedanken. Naja…offenbar wirke ich nicht sehr vertrauensvoll, denn ich muss den Müll und die zerbrochenen Dachplatten, den die Dachdecker rund um einen Neubau zurückgelassen haben, peinlichst genau aufsammeln, um den Bauschutt dann in einer Art wilde Müllkippe zu entsorgen. MIT EINER SCHUBKARRE! Das ich dort Bauschutt versenke, ist mir recht Schnuppe, dass ich aber den Müll von irgendwelchen Rumänen, die sich wahrscheinlich auf dem Dach wo sie noch arbeiten wundern, was ich dort treibe, lässt mir die Hutschnur hochgehen. Ich warte nur darauf, dass irgendeiner dieser Trollos eine weitere PET Flasche vor meine Füsse feuert.

 

…die ich ihm dann wieder gefüllt mit Nägeln zurückgeworfen hätte. Meine Gedanken zu diesem Thema sind deutlich drastischer, aber DIE will ich hier nicht äußern.

Mein Gott ist Deutschland sauber und heute bin ich deutsch genug, um stolz darauf zu sein.

Scheinbar war meine Arbeit überzeugend und man beruft mich zu Höherem, denn morgen habe ich die ehrenvolle Aufgabe, eine Lebensbaumhecke mit einem Gartenschlauch zu wässern. Heute morgen hätte das ich wahrscheinlich noch mit dem Eimer gemusst. So schnell steigt man in der Gunst der Menschen!

Es ist übrigens Vollmond, den während ich dieses schreibe, geht er im Osten auf und scheint mir ins Gesicht. Ich habe heute was die „Schreibtischbeleuchtung“ angeht etwas improvisieren müssen, weil ich spät dran bin.

Ein Theologieprofessor hat heute Abend hier einen Gottesdienst außer der Reihe gehalten und natürlich fragte man mich, ob ich den wirklich verpassen möchte. Natürlich möchte ich den nicht verpassen, obwohl ich nichts und zwar gar nichts verstehe, aber die orthodoxen Gottesdienste haben etwas mystisches und so gehe ich gerne. Da ja Kommen und Gehen optional ist, bleibe ich immer genau eine Stunde, dann erlöse ich Ingo, der vor der Kirche an einem Baum sehnsüchtig auf mich wartet. Das hatte ICH klargestellt, dass ich ihn mit dorthin nehme und nicht im Auto wegsperre.

 

Der Gottesdienst war wieder anders und der melodische Gesang der XXX ist tonstudiotauglich.

Eine Schrecksekunde war für mich: Ein Priester wandelte mit einem bimmelnden Weihrauchschwenker erst um den Altar, dann um Marienbilder und dann durch den Rest der Kirche. Dabei kam er direkt auf mich zu und ich dachte schon: „So…jetzt ist es aus mit Deinem Glauben, der räuchert Dir ohne mit der Wimper zu zucken das letzte bisschen Protestantismus aus!“ Aber vor mir drehte er ab und lies Gnade vor Recht walten.

Alles in Allem wieder ein erlebnisreicher Tag, den ich in jeder Facette nicht missen möchte. Sicherlich ungewöhnlich, aber dafür ist es auch mein ganz eigener und persönlicher, der keinen was angeht…

Morgen, nach der Tujadusche, werde ich mal die Gegend unsicher machen. Habe tausend Tipps von Julia bekommen. Einer wird dran glauben müssen. Julia! Danke Dir nochmal auf diesem Wege!

Fortsetzung folgt!

 

(…wie war das!? Karl-May war auch nie im Wilden Westen?)

11.9.2019 NOCRICH, Rumänien

Die Nacht war ruhig und ohne irgendwelche Angriffe wilder Tiere. Die Temperaturen sinken hier schon gegen Morgen auf 10 Grad und lassen einen dann gerne mal zur Fernbedienung der Standheizung schielen. Aber wozu hat man schließlich einen Hund?

Durch die Fenster kriecht mit der aufgehenden Sonne, die den Boden erwärmt, der Geruch von Schafen. Dieser ganze Landstrich ist so karg, dass Ackerbau kaum Erträge bringt. So überlässt man die Landpflege den Schafen, wie man unverkennbar riecht.

Beim Frühstück bekommen wir dann Besuch von einem der beiden Hirtenhunde. Schon gestern Abend hat er aus der Ferne wild protestierend die Lage sondiert, hat dann aber von einem Angriff abgesehen.

Der Rumänienreisende sollte wissen, dass man sich mit dieser Sorte Hund besser nicht anlegt und einen Bogen um sie macht. Der Hüte Instinkt ist so ausgeprägt, dass sie keinen Unterschied machen, ob Wolf oder käsebeiniger Norddeutscher. Beide stellen offenbar eine ernstzunehmende Gefahr der. Womit er auch recht hat...

Gestern Abend hat er uns also leben lassen und als er heute Morgen hinter einer Kuppe auftaucht, befürchte ich, dass er sein Versäumnis von gestern Abend nachholt.

Also bewaffne ich mich mit Hundeleckerlis und der Kamera, die eine vortreffliche Hiebwaffe darstellt und suche die Konfrontation.

Das scheint Eindruck zu schinden, denn er sucht Augenblick das Weite, um dann kurze Zeit später wieder aufzutauchen und sich im sicheren Abstand auf der Anhöhe abzulegen und meinem munteren Treiben beim Verrödeln des Autos mit Argusaugen zu sondieren. So was hat der wahrscheinlich in seinem eintönigen Hundeleben noch nie gesehen und wäre ich Hund, hätte ich mir das auch nicht entgehen lassen.

Als Krönung des Abschieds-Komitees kommt noch ein alter Knabe mit dem hier so typischen Pferdefuhrwerk vorbei und Hilft dem Hund beim Beobachten.

Die ganze Zeit redet er ruhig auf das Pferd ein, was ihn zu verstehen scheint. Die beide arbeiten wahrscheinlich schon ihr ganzes Leben zusammen. Wie ein altes Ehepaar!

Nicht dieses Angeschreie und an den Zügeln herumgereisse, wie man es hier sonst oft beobachtet. Egal was heute noch passiert, die beiden sind jetzt schon meine persönlichen Gewinner des Tages.

Ein Lkw-Fahrer schafft es dann aber noch ganz knapp auf Platz 2!

Der Leser möge sich nun folgende Situation vorstellen. 2-spurige Überlandstraße. Im Rückspiegel drängelt schon einige Kilometer ein LKW, die hier locker 90-100 km/h fahren. Als ich gerade ein Fuhrwerk überhole sehe ich entsetzt im Rückspiegel, dass nach mir ein zweiter LKW ansetzt den hinter mir zu überholen, der wiederum gerade das Pferde Fuhrwerk überholt. Also 2 LKW und ein Pferdefuhrwerk nebeneinander. Im Gedanken sehe ich schon einen Abdecker einen leblosen Pferde Torso einladen, neben ihm ein Leichenwagen für den Kutscher.

Wie durch ein Wunder geht alles gut. Dem Schutzpatron der Kutscher sei Dank. Ich fahre jedenfalls bei der nächsten Gelegenheit rechts ran. Zwei Irre im Nacken ist mir dann doch zu viel!

So komme ich erstaunlicherweise unversehrt in NOCRICH bei SIBIU an, wo ich ein paar Tage in einem Kloster meine Hilfe angeboten habe. Ich habe was gut zu machen, meine Fans wissen, was ich meine.

 

Trotzdem werde ich die nächsten Tage von hier Ausflüge nach SIEBENBÜRGEN und TRANSSYLVANIEN machen, wo es immer wieder Neues zu entdecken gibt!


10.09.2019 Hortobágyi (Ungarn) bis Morlaca (Rumänien)

 “Kreuzfahrt” oder der Tag der Kreuze:

Nur damit nicht gleich zu Beginn das Missverständnis aufkeimt, ich würde heute von einem Remake der bewaffneten Christianisierung aller 1095 berichten, denn schon damals nannte man das Vorhaben ja “Kreuzfahrt” oder hier gar missionarisch tätig werden, NEIN, mit Nichten.

Es war reiner Zufall, dass Kreuze heute meinen Tag eine besondere Note gaben. Sehr schön, aber auch sehr nachdenkenswert.

Die vergangene Nacht in der Puszta war gut. Keine Störungen und ein leichter Wind zog durch die halb heruntergelassenen Scheiben des Autos. Der Wetterbericht hielt, was er Tags zuvor versprach und in der frühen Nacht ließen auch die Niederschläge nach.

So verabschiedete ich mich nach einem entspannten Frühstück auf der “Terrasse” mit einem ausdehnten Spaziergang von dieser durch seine Kargheit so wundervollen Landschaft.

Herr Google verriet mir, gar nicht weit weg sollte eine mit NEUN Bögen einen unbedeutenden Fluss überspannende Brücke unbedingt besichtigt werden und da es erst Mittag war, entschied ich mich, diese Wissenslücke noch zu schließen.

Gut, OK, die Brücke selbst bestach dann durch eine gewisse Unsichtbarkeit, weil ein riesiges Schilffeld sie teilweise verdeckte, aber ein recht schlichtes wenn auch großes Kreuz fiel mir allerdings bei der Anfahrt auf.

Bei näherer Betrachtung war dann eine mehrsprachige Inschrift zu erkennen, die an “alle erinnerte, die hierher in ein Zwangsarbeiterlager verschleppt wurden” und wahrscheinlich unter unsäglichen Bedingungen ums Leben kamen.

Mein erster Gedanke war sofort, dass es kaum einen Ort gibt, wo die Nazis nicht ihren Fußabdruck hinterlassen haben und ein Unwohlsein überkam mich. Das wollte ich aber nun genauer wissen und musste erfahren, dass ich geirrt hatte.  Im Gegenteil! In der ersten Hälfe der 1950ger Jahre wurden von den Kommunisten aus ganz Ungarn hierher ca. 10.000 Menschen und Familien verschleppt und nach Internierung in einem Lager zur Zwangsarbeit gezwungen. Die Existenz des Lagers war streng geheim und erst 1995 hat man Historikern die Unterlagen zugänglich gemacht.

Das Kreuz wurde dann als Gedenkstätte errichtet und aus Eisenbahnschienen gebaut, um zu erinnern, dass die Arbeitssklaven mit Güterzügen wie Vieh angeliefert wurden...starker Tobak, wenn man nur im Ansatz versucht zu überreißen, was hier geschah.

 

Schnitt!

 

Der Grenzübertritt nach Rumänien war unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass tatsächlich ein Zöllner meine Papiere sehen wollte. Den  Stapel von Papieren und Impfbuch, den ich für Ingo dabei hatte und den ich ihm brav und dienstbeflissen zur Scheibe hinausreckte, interessierte ihn allerdings nicht die Bohne. Super...ich hoffe, das ändert sich noch! Der hatte wohl keine Ahnung wie viel Lauferei das war...

Mein Tagesziel, ein Kloster bei SIBIU (Hermannstadt), wo ich auf meinen Motorrad Touren immer Halt mache und mich dieses Mal zu einem mehrtägigen Arbeitseinsatz angemeldet habe, würde ich heute nicht mehr erreichen und so eilig habe ich es mit der “Arbeit um Gottes Willen” nun auch nicht, also beschloss ich, einen Übernachtungsplatz für die Nacht mit dem Potential einer Hunderunde zu suchen.

Und wieder sollte es ein Kreuz sein, dass mich auf einem die Landschaft dominierenden Berg einlud, Halt zu machen.

So sitze ich hier an meinem “Tire Table”, hacke meinen Reisebericht rein und habe einen sehr exklusiven Blick auf die Anhöhe (...auf der ich vorhin mit Ingo noch hoch bin) und würde ich nicht wissen, dass im Gebüsch hinter mir geifernd und sabbernd ein Bär und ein Wolf auf ihr Abendessen lauern, ich könnte meinen, ich säße im Allgäu. Dort, wo der “rechte katholische” Glauben sozusagen Staatsreligion ist, ist auch jeder Gipfel mit einem Kreuz befestigt, damit ihn die Protestanten nicht abtragen.

 Das Kreuz hier hat übrigens eine rein religiöse Bedeutung! Bemerkung am Rande: Vom Tal bis zum Kreuz geht ein ewig langer, frisch ausgebaggerter Graben, in dem ein Erdkabel verläuft. Die wollen das Kreuz tatsächlich beleuchten...Sachen gibtˋs...


08.09.2019 von Neuötting/Bayern an die Donau in der Slowakei

“Ich denke oft an Piroschka”

07:00 Morgens irgendwo an einem Strand der DONAU In der SLOWAKEI.

Wer in meinem Alter ist, muss ihn kennen, den herrlich kitschigen Film mit Lilo Pulver und Gunnar Möller, der die Liebesgeschichte des deutschen Austauschstudenten schildert, der sich in der ungarischen PUSZTA unsterblich in ein einheimisches Mädchen verliebt.

Gut! Da gibt es hier gerade eine Verzögerung, aber ich will vorne anfangen.

Es ist so weit, ich bin unterwegs! Job geschmissen, Auszeit genommen, Schnitt in meinem Leben vollzogen und meiner Verantwortung gegenüber meinem Hund gerecht geworden. Deshalb dieses Mal nicht mit dem Motorrad, sondern einem Landcruiser, den ich nach meinen Vorstellungen und Möglichkeiten um- und ausgebaut habe.

Seit gut einer Woche bin ich nun unterwegs und es ist erstaunlich, wie man sich auf so kleinem Raum organisieren kann. Alles eine Frage der eigenen Disziplin.

ASERBAIDSCHAN ist das erste Ziel, was ich gedenke zu erreichen. Wann? In Wochen...in Monaten? Ich kann es nicht sagen? Jedenfalls habe ich die Geborgenheit des Elternhauses, in dem ich nach meinem Auszug aus dem Allgäu vorübergehend untergekommen war, nun gegen einen rollenden Untersatz getauscht, der mich mehr oder weniger schnell, jedoch trocken immer weiter gen Osten bringt.

Ich habe Zeit, viel Zeit, deshalb habe ich die erste Woche in Deutschland vertrödelt und Freunde besucht, vorab diese, von denen ich mich nicht vor einem viertel Jahr verabschieden konnte.

So schön, wie es war, aber am Sonntag kam dann der Zeitpunkt, wo alles zum x-ten mal umgepackt war und sich kein Grund mehr fand, nun nicht abzureisen.

So brach ich dann in ALTÖTTING gen Österreich auf, was ich noch bei schönstem Wetter durchfuhr. Die Maut für Ungarn hatte ich schon vorab online bezahlt, allerdings erst ab Montag. So stand ich am frühen Nachmittag an der Grenze am NEUSIEDLER SEE und entschloss mich mein Tagesziel auf Ungarn zu verschieben. Nebenstraßen haben auch ihren Reiz und lassen einem Land und Leute viel näherkommen, daher war der Entschluss schnell getroffen, weiter jenseits der Autobahnen in Richtung PUSZTA zu fahren, denn diesen Landstrich habe ich die letzten Jahre immer wortwörtlich links liegen lassen.

So fuhr ich und fuhr ich, wohl wissend, die PUSZTA am Sonntag nicht mehr zu erreichen, aber ihr zumindest näher zu kommen und der ganz besondere osteuropäische Charme in Ungarn ließen keine Langeweile aufkommen.

Dann passierte mal wieder das, wo ich inzwischen eine gewisse Routine habe, ich stand an einer Grenze, die ich so nicht auf dem Plasn hatte. Gott sei Dank, wurde ich nicht (...wie vor zwei Jahren an der Grenze zu Weißrussland) durch einen bewaffneten Zöllner darauf aufmerksam gemacht, sondern nur durch ein Blechschild. Trotzdem...Falsch ist nun mal Falsch und das Erstaunen wird dadurch nicht kleiner.

Dieses Mal sollte es die Stadt KOMÁRNO an der Grenze zur SLOWAKEI sein, die hier durch die Donau als Grenzfluss, beginnt. Es lebe das grenzenlose Europa!

Nicht weit weg, gab es dann einen wunderschönen Übernachtungsplatz mit Badestrand. Glück gehört eben auch dazu.

Die Nacht war dann leider sehr unruhig, denn ein Mords Gewitter zog auf, was mich zwang die Scheiben zu schließen. Das wiederum ließ die Temperatur im Auto auf subtropische Werte ansteigen, dass ich abwechselnd von Donnerschlägen und Ingoˋs vorwurfsvollem Gehechel geweckt wurde. Mein Gott, ist reisen anstrengend!

Nichtsdestotrotz bin ich heute dort angekommen, wo ich hinwollte, es regnet schon wieder, aber ist wunderbar mild dabei. Alle die, die nun vor Schadenfreude ein Bier aufmachen, muss ich enttäuschen! Ab morgen soll es beständig wieder trocken und sonnig sein und das wahrscheinlich bis Weihnachten.

Die PUSZTA ist jedenfalls eine herrliche Steppenlandschaft und hier im Nationalpark HORTOBÁGYI hat man es geschafft, die Urtümlichkeit zu bewahren. 

einige Teilnehmer der WhatsApp Gruppe #joefiontour

03.09.2019

01.09.2019

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